Rede Sathya Sai Babas

anlässlich des Varalakshmi-Vratas am 11. 8. 2000

 

Die Größe der Frauen

 

Anmerkung: Am 11.8. 2000 wurde erstmalig das Varalakshmi-Ritual abgehalten; das Varalakshmi gewidmete Fest findet alljährlich im Monat Sravanam (August-September) an dem Freitag vor dem Vollmond statt. Es wird durch Frauen durchgeführt, deren Ehemann noch lebt und dient u.a. dem langen Leben und der Gesundheit des Ehemannes, dem Erlangen guten Nachwuchses und dem Wohlergehen der Familie. Die Göttin Lakshmi gilt als Spenderin allen Segens und Wohlstands, materiell wie auch spirituell. In dem Vrata werden nach verschiedenen Anbetungsritualen segenbringende Gaben als Geschenk an es verdienende Frauen, deren Ehemann noch lebt, verschenkt. Organisiert wurde das Ritual (erstmalig) durch Swamis leibliche Verwandte. Die Rede ist eine vollständige Übersetzung aus der gekürzten englischen gedruckten Fassung, die durch die Fassung vom Tonband vervollständigt wurde.

 

Dieses heilige Land Bharat ist der Geburtsort vieler edler Frauen
wie Savitri, die ihren toten Ehemann ins Leben zurückbringen konnte;
Chandramati, die durch die Kraft der Wahrheit ein rasendes Feuer auslöschen konnte;
Sita, die ihre Keuschheit bewies, indem sie unversehrt aus dem lodernden Feuer hervorging;
Dayamanti, die einen übelgesinnten Jäger durch die Kraft ihrer Keuschheit zu Asche verbrannte.

Aufgrund solcher Frauen erhielt das heilige Land Bharat den Ruf, ein Land der Fülle,
des Wohlergehens und der reichen Ernte zu sein.

Das Varalakshmi-Ritual ist das höchste aller Rituale

(Gesang Sathya Sai Babas)

 

 

Verkörperungen der Liebe!

Seit undenklichen Zeiten konnte das heilige Land Bharat (Indien) aufgrund von Männern und Frauen mit Charakter Frieden und Sicherheit genießen. Wie auch der Priester heute Morgen während des Rituals erwähnte, hat Bharat der Mutter die höchste und wichtigste Stellung eingeräumt. Die Sage geht, dass Parvati einst Shiva fragte, ob es irgendein Ritual gäbe, welches den Frauen der Welt Wohlergehen, Segen und Wohlstand bringen würde. Parvati wünschte, dass jede Frau ein langes, glückliches und gesundes Leben im Kreise ihres Mannes, ihrer Kinder, Enkelkinder, Freunde und Verwandten führen solle. Shiva freute sich über Parvatis Wunsch und erzählte ihr von dem Varalakshmi Vrata (vrata = Gelübde, Gelöbnis, Lebensweise), welches der Frau alles Gewünschte bringen würde. Tatsächlich dreht sich das menschliche Leben um Wünsche. Dieses Ritual ist ein besonderes Geschenk an die Frauen. Die Frauen bemühen sich sehr um das Wohlergehen der Familie und Sippe und darum, dass alle Dinge im Leben Segen bringen. Sie beten insbesondere um Gleichheit, Integrität, Einheit und Brüderlichkeit.

In diesem Land Indien wurden Wege gelehrt, die den Frauen die acht Formen des Wohlstandes verleihen und die Frauen werden als die Verkörperungen der acht Formen des Wohlstandes (auch: die Schätze Gottes) gerühmt.

Gott wollte den Frauen die acht Arten des Reichtums gewähren:

1. sabdhabrahmamayi - der Urlaut

2. caracaramayi (steht für Ausgedehntheit und Allgegenwart)

3. jyotimayi - Licht

4. vanmayi - göttliche Offenbarung durch das Wort

5. nityanandamayi - nie endende Glückseligkeit

6. paratparamayi - das höchste Transzendente

7. mayamayi - die Kraft der Täuschung und Illusion, auch Schöpferkraft

8. shrimayi - die Verkörperung des Wohlstandes, Schönheit, Glanz, Erhabenheit.

In dieser Weise bringen die Frauen, die die Träger der acht Formen des Wohlstandes sind, der Familie, der Gesellschaft und der ganzen Welt Wohlstand, Wohlergehen und Segen; aber leider vertrauen die Leute dem heutzutage nicht.

Ihr kennt die Geschichte von Savitri, die durch die Kraft ihres Charakters und der Wahrheit viele Widerstände überwand und ihren toten Ehemann ins Leben zurückbringen konnte. Sogar in diesem Kalizeitalter (dem gegenwärtigen dunklen Zeitalter, Anm. d. Übers.) beten die Frauen unablässig, wenn ihr Mann in Gefahr ist und sorgen dadurch für seine Sicherheit. Viele Frauen Bharats führen das Varalakshmi-Vrata aufrichtig und hingebungsvoll durch, gewährleisten so die Gnade Varalakshmis und freuen sich weiterhin an den acht Formen des Wohlstandes.

Da Sita zehn Monate lang in Ravanas Herrschaft gefangen war, verlangte Rama von Sita, dass sie die Feuerprobe bestand und so ihre Keuschheit bewies. Obwohl der allwissende, allgegenwärtige und allmächtige Rama keinen Zweifel bezüglich Sitas Keuschheit hegte, verlangte er es, um die Zweifel der Menschen an ihrer Keuschheit zu beseitigen; da sie zehn Monate in Ravanas Herrschaft gehalten war, bestand die Gefahr, dass die Menschen Rama Vorwürfe machen würden, wenn er sie wieder zu sich nahm.

Tatsächlich war Sita über jeden Zweifel erhaben, aber die Gesellschaft ist voller Krähen, die mit Zweifeln und Vorurteilen angefüllt sind. Wird der Kuckuck aufhören zu singen, nur weil die Krähen krächzen? Entsprechend ist das Herz edler tugendhafter Frauen über jeden Zweifel erhaben. Sie folgen ihrem Gewissen und halten an Wahrheit und Dharma fest. Das ist die Lehre der indischen Kultur: Sprich die Wahrheit und folge Dharma.

Ihr kennt die Geschichte von Anasuya, die von Gott selbst getestet wurde. Brahma, Vishnu und Shiva gingen verkleidet zu ihr und baten um Almosen. Als sie ihnen Essen geben wollte, forderten sie, sie solle ihnen das Essen nackt geben, ansonsten würden sie es nicht annehmen. Aus reinem Herzen fasste sie ihren Entschluss; sie verwandelte die Trinität in drei kleine Babys, fütterte sie ihrem Wunsch gemäss und spielte mit ihnen. Allein die Heiligkeit ihres Herzens und die Kraft ihrer Keuschheit konnten dies vollbringen. Die drei Gemahlinnen von Brahma, Vishnu und Shiva, nämlich Saraswati, Lakshmi und Parvati kamen zu Anasuya, klagten, dass sie in Babys verwandelt waren und baten, dass ihre Ehemänner zu ihnen zurückkehren sollten. Anasuya war voller Mitgefühl und Verständnis, da eine Ehefrau das Wohlergehen ihres Mannes wünscht. Sie segnete sie, dass sie künftig gute Gedanken haben sollten und erfüllte ihren Wunsch. Die Trinität segnete sie und ihren Mann Atri, dass sie als ihr Kind in Form Dattatreyas geboren würden. Dattatreya bedeutet der, der von Atri adoptiert wurde.

Auch Sumati hatte einen hervorragenden Charakter, sie war reinen Herzens und völlig selbstlos. Eines Tages verhängte ein Weiser den Fluch, dass ihr Ehemann unmittelbar nach Sonnenaufgang sterben solle. Sumati betete mit aufrichtigem und reinem Herzen zu Gott. Gebet ist die Grundlage allen Geschehens. Gebet kann alle begangenen Sünden sühnen und Erleichterung bringen. Sumati betete zu Gott: "Mein Ehemann soll noch vor Sonnenaufgang sterben. Wenn meine Gedanken rein und wahrhaftig sind, dann lasse die Sonne nicht aufgehen!" Als Folge davon ging die Sonne nicht auf. Das ist die Größe und Heiligkeit des Herzens der Frauen. Die Leute halten sich an äußere Gefühle und verstehen nicht die Reinheit der inneren Empfindungen. Da die Sonne nicht aufging, herrschte in der ganzen Welt Dunkelheit und Verstörung. Alle Götter und Weisen gingen zu Sumati und sagten: "Um deines Ehemannes willen hast du die ganze Welt in Leid versetzt. Ist das angemessen?" Sumati erwiderte, ihr Ehemann sei ihr wichtiger als die gesamte Welt. Erst als alle Götter und Halbgötter ihr die Sicherheit ihres Ehemannes versprachen, erlaubte sie der Sonne aufzugehen. In dieser Weise haben seit altershehr die Frauen in Bharat mit all ihrer Fähigkeit und Kraft der gesamten Welt ein Vorbild gesetzt. Man braucht nicht so weit zurückzugehen; sogar in diesem Kali-Zeitalter finden sich viele Frauen mit vorbildhaftem Charakter.

Es ist unmöglich, das Herz einer Frau zu verstehen. Niemand wusste um Kuntis Geheimnis. Vor ihrer Ehe mit Pandu wurde Kunti durch den Sonnengott mit einem Sohn, Karna, gesegnet und setzte ihn im Fluss aus. Nach ihrer Heirat mit Pandu gebar sie die 5 Pandavas, Dharmaraja, Bhima, Arjuna, Nakula und Sahadeva. Zur Zeit des grossen Mahabharata-Krieges wusste Dharmaraja nicht, dass Karna (der auf der Seite der feindlichen Kauravas kämpfte) sein älterer Bruder war. Erst nach Karnas Tod enthüllte Kunti ihm dieses Geheimnis. Dharmaraja war sehr verstört darüber, dass er seinen Bruder unwissentlich getötet hatte, nur weil Kunti ihm diese Tatsache nicht mitgeteilt hatte und erzürnt verfluchte er daraufhin alle Frauen: Künftig solle keine Frau irgendein Geheimnis für sich behalten können.

Seit altershehr sind die Frauen Bharats die Ursache für die Würde, Achtung und Grösse der Familie und der gesamten Sippe. Der Grund dafür ist die besondere Gnade, die Varalakshmi ihnen schenkte. Varalakshmi erfüllt alle Wünsche, um die die Frauen beten. Die Göttin Varalakshmi verleiht der gesamten Familie besonderen Segen, Wohlstand und Wohlergehen. Grosse Frauen wie Savitri, Damayanti und Sita konnten nur durch die Gnade Varalakshmis solch grosse Wunder wirken. Durch das Gebet zu Varalakshmi erhält der Mensch allen Wohlstand, Sicherheit und Glückseligkeit.

In Indien gilt seit altershehr das Sprichwort: Wenn ihr eine Frau seht, könnt ihr den Zustand der gesamten Familie einschätzen. So wie die Hausfrau ist, so ist die ganze Familie. Aber auf Grund des Kalizeitalters hält niemand dieses Varalakshmi-Vrata ein. Deshalb sind die Wohnhäuser unrein und schmutzig geworden. Die Hausfrauen jener Tage sind nicht mit denen von heute vergleichbar. In jenen Zeiten waren die Häuser so sauber und rein, weil auch das Herz der Frauen rein war. Es ist das Gesetz von Reaktion, Widerspiegelung und Widerhall. Die Reinheit des Hauses spiegelte die Reinheit des Herzens wider.

Heutzutage ist, wo immer man hinschaut, alles verunreinigt, das Essen, das Wasser, die Luft, alles ist verschmutzt. Weil der Geist des Menschen verschmutzt ist, ist auch alles andere umher verschmutzt. Der Geist des Menschen ist voller Negativität. Weltliche Wünsche sind negative Gedanken. Wir sollten negative Empfindungen aufgeben. Wünsche sind in gewissem Ausmaß notwendig, aber sie sollten sich in gewissen Grenzen halten. Wenn ihr einen Füller mit roter Tinte füllt, erscheinen rote Buchstaben auf dem Papier, mit blauer Tinte erscheinen blaue Buchstaben. Wie man empfindet, so geschieht es.

Das menschliche Herz gleicht diesem Füller; wenn ihr euer Herz mit negativen Empfindungen, mit einer negativen Sichtweise, mit schlechten Gedanken und Worten füllt, ist das Ergebnis negativ. Füllt deshalb euer Herz mit Liebe, dann sind auch eure Gedanken, eure Worte, eure Blicke, eure Handlungen und die ganze Welt von Liebe erfüllt. Diese Liebe ist heute nicht im menschlichen Herzen zu finden, sondern das menschliche Herz ist voll übler Eigenschaften wie Zorn, Hass, Gier, Eifersucht, Pomp und Show. Das alles sind negative Gedanken. Was sollten wir also tun, um Wohlstand und Wohlergehen zu erlangen? Wir sollten unser Herz mit heiligen Gedanken erfüllen und dadurch die negativen Gedanken forttreiben. Verlangen, Zorn, Gier und dergleichen entstehen durch falsche Ernährung und durch Bindung an den Körper. Wir müssen unsere Bindung an den Körper beherrschen und unsere körperbezogenen Wünsche verringern. Weniger Gepäck schafft mehr Bequemlichkeit und macht das Reisen zum Vergnügen. Reduziert das Gepäck der Wünsche, um bequem durchs Leben zu reisen. Bindung an den Körper ist in einem gewissen Ausmaß nötig, wenn man mit seiner Familie, mit Verwandten und Kindern lebt. Aber man sollte ein heiliges Leben mit dem Gebet: Möge die ganze Welt glücklich sein! (Loka samasta...) führen. Das Wohlergehen der ganzen Welt hängt vom Herz des Menschen ab.

All die Kräfte, die in der äußeren Welt zu finden sind, liegen auch im Menschen verborgen. Der menschliche Körper gleicht einem Generator, der Geist des Menschen einem Fernseher und das Herz einem Radio. Überall sind Klangwellen, die auch in weite Entfernungen gehen. Ihr könnt ein Programm, das von der Radiostation Delhi ausgestrahlt wird, auf Grund der Klangwellen auch in weiter Entfernung hören, wenn ihr euer Radio auf die entsprechende Frequenz einstellt. Es hat nichts mit der Entfernung, nichts mit nah und fern zu tun. Wir besitzen heute Radios, aber in jenen Tagen war das Herz das Radio. Reinigt und heiligt euer Herz. Der menschliche Geist gleicht einem Fernseher; wenn ihr eure Augen schließt, erscheint die äußere Welt auf der Leinwand eures Geistes. In dieser Weise ist jede Kraft im Menschen gegenwärtig. Alles Äußere ist eine Spiegelung des inneren Wesens. Alles ist eine Reflektion, eine Reaktion und ein Widerhall von dem, was in euch ist. Wenn ihr behauptet, jemand sei schlecht oder handle schlecht, dann sind es allein die schlechten Empfindungen in euch, die sich im Außen widerspiegeln. Wenn ihr irgendwo etwas Schlechtes seht, bedeutet es, dass dieses Schlechte in euch liegt; wenn ihr Schlechtes hört, ist dies eine Spiegelung und hat nichts mit anderen Menschen zu tun. Alles steht mit diesen drei Prinzipien von Widerspiegelung, Reaktion und Widerhall in Verbindung.

Das menschliche Leben ist voller Kraft. Der menschliche Geist gleicht einem reinen Magneten, der alles anzieht. Wenn ihr in anderen Schlechtes wahrnehmt, heißt das, dass in euch etwas Schlechtes ist. Wenn gute Taten euch anziehen, zeigt das, dass Gutes aus euch kommt. Gutes wie Schlechtes kommen aus unserem Inneren.

Wenn ihr vor einem Spiegel steht, seht ihr nicht eure wahre Form, sondern nur ein Spiegelbild. Damit ein Spiegelbild entsteht, muss auf der Rückseite eine chemische Schicht aufgetragen sein, ansonsten ist es nur Glas. Euer Herz gleicht einem Spiegel; nur wenn ihr die "Chemikalie" der Liebe auftragt, könnt ihr euch selber sehen.

Die Upanischaden erklären: "Raso vai sah - Gott ist der Nektar selbst". Was bedeutet das? Es ist dem Sirup vergleichbar, der entsteht, wenn Wasser und Zucker miteinander vermischt werden und der Zucker sich vollkommen auflöst. Wenn ihr die "Chemikalie" der Liebe im Herzen habt, wird alles zur Liebe werden.

Isvara (Shiva) lehrte Parvati dieses heilige Varalakshmi-Vrata, damit sie es an die Frauen weitergibt, damit die Frauen alle Schwierigkeiten überwinden und Freude und Frieden erlangen. Die Ausführung des Rituals ist sehr einfach, aber es braucht einen Ort und das Material. Es ist euer gutes Los, es an diesem heiligen Platz in der göttlichen Gegenwart durchgeführt zu haben. Eure Wünsche werden auf der Grundlage von Zeit und den zugehörigen Umständen erfüllt werden.

Das Betelblatt allein macht noch kein paan, sondern das Blatt muss mit der angemessenen Menge von Betelnuss und Zitrone gemischt werden, damit paan entsteht (es ist in Indien üblich, paan, das eine anregende Wirkung hat und Mund und Zähne rot färbt, zu kauen, Anm. d. Übers.). Das Betelblatt ist grün, die Nuss braun und Zitrone weiß; gemeinsam ergeben sie eine rote Färbung, wenn man das paan kaut. Die Zitrone verleiht dem paan Geschmack, aber im Übermaß würde sie die Zunge verbrennen. Begrenzung ist notwendig. Alles sollte sich in Grenzen halten.

Deshalb heißt es: Na sreyo niyaman vina - ohne Disziplin gibt es kein Wohlergehen. Die normale Körpertemperatur liegt bei 98.4 Grad Fahrenheit. Wenn diese Temperatur überschritten wird, entsteht Fieber. Der vollkommene Blutdruck beträgt 120 zu 80; wenn er auf z.B. 150 zu 90 ansteigt, ist er zu hoch. Was immer im Exzess ist, führt zu Krankheit. Auch unser Reden und unsere Handlungen sollten reglementiert sein. Wir müssen entsprechend unserer Kapazität handeln. Für alles braucht es Begrenzung und Disziplin. Welche Art von Disziplin? Bevor man handelt, sollte man das Wo, Wann, Wie und Warum in Erwägung ziehen. Dann wird alles Segen bringen. Wenn ihr Grenzen und Disziplin nicht beachtet, werdet ihr in Schwierigkeiten geraten.

Welches Ritual ihr auch durchführt, es sollte mit heiligen Empfindungen, reinem Herzen und Konzentration geschehen. Es gibt nichts, was in dieser Welt nicht erreichbar wäre. Auch eine schwere Aufgabe ist leicht zu vollbringen. Savitri gelang es sogar, ihren Ehemann ins Leben zurückzurufen und andere Dinge sind viel leichter. Die Erde kann in den Himmel und der Himmel in die Erde verwandelt werden, aber dazu braucht es ein heiliges, reines Herz. Gebete müssen aus reinem Herzen kommen. Gebt euch nicht unnutzem Geschwätz und Klatsch hin. Was bringen Geschwätz und Klatsch? Wenn ihr ständig Geschichten über all eure Nachbarn anhört, wie steht es dann um euer eigenes Leben? Ihr werdet dann nie euer Ziel erreichen können. Nur wenn ihr andere in Ruhe lasst (bei sich lasst), könnt ihr eure Ziele erfüllen.

Verkörperungen der Liebe!

Seit alten Zeiten wurden solche Rituale mit heiligen, reinen Gedanken und Gefühlen ausgeführt. Aber heutzutage glauben die Menschen nicht an diese heiligen Rituale; sie glauben nicht an das, was fein, heilig, zart und das Höchste ist, sondern setzen ihr Vertrauen in das, was flüchtig, vergänglich und äußerlich ist.

Der Mensch sollte als Erstes sein Herz transformieren und vollkommenes Vertrauen haben, dass Gott in seinem Herzen wohnt. Deshalb erklärt die Gita: Der Körper ist ein Tempel, dem der ewige Gott innewohnt. Euer Körper ist ein Tempel, dessen Bewohner Gott ist! Wo immer ihr hingeht, betrachtet euren Körper als Tempel Gottes und die innewohnende Seele (jiva) als göttlich. Wenn ihr euren Körper und die Körper anderer gleichermaßen als Tempel Gottes betrachtet, dann bleibt kein Raum für Konflikte und Kämpfe. Auf Grund von Selbstsucht und Eigeninteresse nehmen Unruhen und Konflikte täglich zu. Um Konflikte zu vermeiden, sollte man ethische Werte entwickeln, dharmisch handeln und jeden lieben. Das menschliche Leben ist eine Kombination von Moral, Dharma und Spiritualität. Moral ist sehr wichtig. Heutzutage dreht sich die ganze Welt um Geld. Geld kommt und geht, Moral kommt und wächst. Geld gleicht vorüberziehenden Wolken, die nicht andauern. Geld ist zweifelsohne notwendig und wir können ohne Geld in dieser Welt nicht leben. Seit Beginn des Kalizeitalters heisst es: Geld ist die Basis der Welt. Früher glaubten die Menschen, dass Dharma die Grundlage der Welt ist, die die Menschheit erhält. Dharma ist heute verschwunden. Wo finden wir Freude, Frieden, Glück und Wohlergehen? Wohlergehen hängt vom Charakter ab, der aus heiligen, reinen Gedanken entsteht.

Während des Kurukshetra-Krieges gingen Duryodhana und Dussasana eines Tages zu Bhisma, dem Heerführer der Kauravas und stachelten ihn auf: "Du kannst in diesem Stadium des Krieges nicht so müßig und teilnahmslos sein. Die Kraft unserer Feinde nimmt täglich zu. Gib diese Interesselosigkeit auf und zeige deine Kraft!" Bhisma versprach daraufhin, dass, noch ehe am nächsten Tag die Sonne untergeht, er die Pandavas töten würde. Draupadi (die Ehefrau der Pandavas) war völlig verstört, als sie davon erfuhr. Draupadi war eine glühende Gottesverehrerin und voller Tugend. In diesem Kalizeitalter denken die Leute: Draupadi hatte fünf Ehemänner - wie kann man sie als pativrata (eine keusche, tugendhafte Frau, die ihrem Ehemann ergeben ist) bezeichnen? Ihre Ehemänner waren keine physischen Körper, sondern sie symbolisierten die fünf Elemente und die fünf Lebenshauche.

Draupadi fiel Krishna zu Füßen und flehte: "Krishna, Bhisma hat ein Gelübde abgelegt, dass meine Ehemänner morgen vor Sonnenuntergang sterben sollen. Du musst meine Ehemänner auf irgendeine Weise beschützen. Krishna antwortete: "Sorge dich nicht; folge meiner Anweisung und ich werde dich und deine Ehemänner sicherlich beschützen." Draupadi sagte daraufhin: "Krishna, wem sonst als dir sollte ich folgen? Du bist mein ganzes Leben. Ich werde dir sicherlich folgen."

Die Nacht brach herein. Als die Schlacht für diesen Tag beendet war, ruhten alle in ihren Zelten. Bhisma fühlte sich sehr bedrückt und schritt voll sorgenvoller Gedanken im Zelt auf und ab. "Ich gelobte, dass ich die Pandavas morgen töten würde. Wie kann ich sie, die ich so lange aufgezogen und um die ich mich gekümmert habe und die tugendhaft und edel sind, töten? Weil ich so lange den Kauravas diente, wurden meine Gedanken schlecht. Weil ich die Nahrung der Kauravas zu mir nahm, wurde mein Geist verdorben. Welches Unglück steht uns bevor? Was geschieht mit Draupadi?"

Krishna wartete auf diesen günstigsten Moment. Krishna plant entsprechend der rechten Zeit, den rechten Umständen und dem rechten Ort. Sein Plan ist meisterhaft (masterplan). Er forderte Draupadi auf, ihm zu folgen. Zu der Zeit gab es keinen Strom, und in den Zelten brannten nur Öllampen. Als Draupadi Krishna folgte, erzeugten ihre Sandalen ein Geräusch (Swami amt das Geräusch nach: kirr, kirr). Krishna wies Draupadi an, ihre Schuhe auszuziehen, damit Bhisma sie nicht höre; er nahm ihre Schuhe, schlug ein Tuch um sie herum und trug sie selber. Als sie Bhismas Zelt erreichten, lief Draupadi entsprechend Krishnas Anweisung zu Bhisma und fiel ihm zu Füßen. Als Bhisma den Klang von Armreifen hörte, wusste er, dass es sich um eine verheiratete Frau handelte, und segnete sie mit den Worten: "Sumangali bhava - mögen du und dein Ehemann lange leben!" Unmittelbar danach erkannte Bhisma Draupadi. Er war im Dilemma: Einerseits hatte er den Kauravas versprochen, Draupadis Ehemänner am nächsten Tag zu töten, andererseits hatte er Draupadi den Segen gegeben, dass ihre Ehemänner lange leben sollen. Mittlerweile kam Krishna herbei und Bhisma erkannte, dass es allein Krishnas meisterhafter Plan war, der Draupadi zu ihm brachte. Er rühmte Krishna: "Deine Spiele sind höchst wunderbar und heilig in allen drei Welten!" Dann rühmte Krishna Draupadi: "Sie ist voller Charakter und ihre Tugend ist nirgendwo sonst zu finden". Was ist das Geheimnis ihrer Tugend? (Swami singt): Sie war immer mit ihrem Schicksal zufrieden. Sie widersetzte sich keiner Anweisung ihrer Ehemänner, und sie fand immer Zeit, ihnen zu dienen. Keine andere Pativrata gleicht Draupadi.

Frauen sind sehr friedfertig; deshalb erhalten sie so viel Segen. Die Leute erhalten Titel wie shantibhushana, padmashri, padma vibhushana und dergleichen; aber Titel, die früher den Frauen verliehen wurden wie Grihalakshmi (die Göttin des Hauses), Illalu (die Bewohnerin des Hauses), Dharmapatni (die dem Dharma folgt) und Ardhangi (die Hälfte des Mannes) sind sehr heilig. Ihr seid Kinder der Ewigkeit, Unsterblichkeit. Wie können Frauen, die solche Titel tragen, als niedrigstehender betrachtet werden? Aber leider schauen die Männer heutzutage auf die Frauen herab und behandeln sie wie Dienstmägde. Es ist ein großer Fehler. Je mehr ihr eine Frau achtet, um so mehr werdet ihr geachtet werden. Die Männer sollen dafür sorgen, dass keine Frau eine Träne vergießt. Der Familie, wo eine Frau Tränen vergießt, werden Schwierigkeiten begegnen. Die Männer sollten eines erkennen: Es ist unmöglich, die Heiligkeit des Herzens einer Frau zu ermessen. Ihr solltet keine harschen Worte benutzen und den Frauen kein Leid zufügen. Einen Dorn, der in den Fuß eingedrungen ist, kann man entfernen, aber nicht ein harsches Wort, das das Herz verletzt hat. Dieser Schmerz hält lange an. Die Worte, die ihr sprecht, sollten weich, zart und süß sein. Nur weil sie eure Ehefrau ist, habt ihr kein Recht, sie zu beschimpfen, wie es euch gefällt. Ihr habt ein Recht, eure Frau auf Fehler hinzuweisen, aber benutzt keine harschen Worte und verletzt nicht ihre Empfindungen. Man kann nicht immer gefällig sein, aber man kann gefällig sprechen. Sprecht mit eurer Frau in einer sanften, süßen, einfühlsamen Weise; dann wird die ganze Familie Frieden und Wohlergehen erfahren.

Männer tragen das Element des Zorns in sich; dieser Zorn muss beherrscht werden. Wenn ihr zornig werdet, verliert ihr die Energie, die ihr aus drei Monaten Nahrungsaufnahme erhalten habt. Das Blut gerät ins Kochen und es braucht drei Monate, ehe es wieder abkühlt. Wenn ihr öfters zornig werdet, werdet ihr krank.

Die Geschichte der Kämpfe zwischen Jarasandha und Krishna legt dafür Zeugnis ab. Viele Male forderte Krishna Jarasandha zum Kampf auf, und wenn immer Jarasandha voll rasenden Zorns den Kampf antrat, zog Krishna sich zurück. Es entstand der Eindruck, Krishna liefe aus Angst vor Jarasandha davon. Weil das wiederholt geschah, fragten die Brüder ihn nach dem Grund seines Verhaltens. Krishna erklärte: "Ich renne nicht aus Angst vor ihm davon, noch bin ich unfähig, ihn zu töten. Es ist nicht die rechte Zeit, ihn zu töten. Ich töte ihn, ohne in die direkte Konfrontation mit ihm zu gehen. Durch die wiederholten Attacken kommt Jarasandhas Zorn und Wut immer wieder hoch und dadurch wird er geschwächt." Auf Grund seiner Wut wurde sein Körper immer schwächer und Krishna tötete ihn schließlich. Krishna betrachtete es nicht als demütigend, das Schlachtfeld zu verlassen. Es war eine strategische Taktik, um einen Feind zu töten. In dieser Weise vermittelte Krishna seine Lehren.

Gott hat in jeder Hinsicht einen Meisterplan. Jeder Meisterplan dient zum Guten eines jeden. Was immer Gott tut, tut er für andere, nicht für sich selbst. Gott tut niemals etwas Schlechtes, auch wenn es aus der Entfernung manchen Menschen als schlecht erscheinen mag. Der Irrtum liegt in eurer Sichtweise, nicht in Gottes Schöpfung. Was immer Gott tut, ist eine Hilfe, damit sich in euch die Heiligkeit entfaltet und heilige Empfindungen in euch entstehen.

Shiva lehrte Parvati das heilige Varalakshmi-Vrata, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Als Ergebnis dieses Varalakshmi-Vratas habt ihr ein langes Leben voll Wohlstand und Fülle als verheiratete Frau mit Kindern und Enkelkindern. Das Varalakshmi-Vrata gewährt sieben Generationen eurer Vorfahren und sieben Generationen eurer Nachfahren Schutz. Mögt ihr euch an einem langen Leben im Kreise eurer Kinder und Enkelkinder erfreuen! Um diesen Segen zu verleihen, gab Parvati das von Shiva gelehrte Varalakshmi-Vrata weiter. Edle Frauen wie Savitri, Anasuya und Sumati vollführten dasselbe Ritual und erfuhren die Freude und den Segen daraus. Dieses Varalakshmi-Vrata sühnt eure Sünden und gewährleistet euch Sicherheit, Fülle und Wohlergehen im Leben. Es entwickelt eure Göttlichkeit und führt euch schließlich zur Göttlichkeit.

Die Göttin wird als Lokamata, die Mutter der Welt, verehrt. Dieses Wort Mata, Mutter, ist so heilig. Dem Wort Mata wird der höchste Wert beigemessen. Jeder der leidet, wird Amma, Mutter rufen, und nicht Appa, Vater. Das Wort Amma ist so heilig und tröstlich, schön, wertvoll und es verleiht euch alle Kraft. Jeder spricht die Göttin als Amma, Mutter, an. Sie ist Lokamata, die Mutter der Welt. Die Weisen sagten: Ihr seid Kinder der Unsterblichkeit. Was immer sie gibt, ist nektargleich. Das erste Wort, das ein Kind spricht, ist Amma, und nicht Appa. Der Mutter wird die erste Stellung eingeräumt. Die Liebe der Mutter ist nirgendwo sonst zu finden. Sie ist unbeschreiblich und unschätzbar. Wenn ihr die Zuwendung und Liebe der Mutter verliert, verliert ihr euren Wert in den Augen der Welt. Euer Leben gleicht dann einem Boot ohne Ruder, und ihr wisst nicht, wo ihr landen werdet. Solange eure Mutter mit euch ist, habt ihr drei Viertel der Kraft. Wenn die Mutter verloren ist, verliert ihr diese Stärke. Deswegen hat Indiens Kultur der Mutter eine so große und herausragende Stellung eingeräumt.

Studenten! Achtet eure Mutter, erweist ihr Respekt und folgt ihren Anweisungen. Bittet eure Mutter voller Demut und Achtung. Wenn eure Mutter zufrieden ist, ist die ganze Welt zufrieden. Wenn ihr nicht eure Mutter erfreuen könnt, wen wollt ihr dann erfreuen?

(Swami singt):

Oh Mutter, wenn ich dich nicht erfreuen kann, werde ich in den Augen der Welt wertlos.

(Thai, thai, thai - es ist alles ein Tanz der Marionetten - welches Geheimnis steht dahinter?
Swami fügt hinzu: Ist eure Mutter eine Marionette? Nein.)

Seid nicht stolz auf eure Jugend, eure Schönheit und Sinneskraft. Vor euch liegt das Alter (das Fest des Alters). Wenn ihr eurem Vater nicht gehorcht, werden eure Kinder euch wiederum nicht gehorchen - wie werdet ihr dann leiden! Ihr müsst jetzt sorgsam sein.

Parvati, die Mutter der Welt, lehrte dieses Varalakshmi-Ritual, das seit alten Zeiten weitergegeben wurde. Die Männer sollten die Durchführung dieses Rituals ermutigen und alles Notwendige dazu bereitstellen und es nicht als kostspielig zurückweisen. Es dient dem Guten der Männer selbst. Die Frauen beten um ein langes Leben der Ehemänner. Das selbst ist schon eine Hilfe. Euer Glück ist damit verbunden. Stellt ihren Ritualen nichts in den Weg. Wenn Probleme entstehen, sprecht sanft mit den Frauen und achtet darauf, dass sie zufriedengestellt werden. Es ist zu eurem Guten. Nur weil ihr Männer seid und euch für stark haltet, könnt ihr die Frauen nicht verurteilen oder ihnen widersprechen. In Wahrheit sind Frauen stärker als Männer. Die Bhagavadgita erklärt, Männer hätten drei Kräfte, Frauen hingegen fünf. Frauen sind sogar bereit, ihr Leben zu opfern, wenn das ihrer Männer in Gefahr ist. Ist irgendein Mann dazu bereit? Savitri war bereit zu sterben, um ihren Ehemann zu retten. Gibt es irgendeinen Mann in der Welt, der um seiner Frau willen sein Leben opfern würde? Wenn sein Frau nicht mehr da ist, ist er gleich zu einer zweiten Hochzeit bereit. Frauen sind nicht so. Eine Frau ist so kraftvoll. Sie besitzt die fünf Tugenden der Achtung, der Würde, des Opfergeistes, der Zufriedenheit und des Wohlstands. Kennt ihr die Kräfte der Männer? Zorn, Torheit und Sturheit sind die drei nutzlosen Charakteristika der Männer. Die Frauen besitzen alle Nutzen bringenden Eigenschaften. Die Seele der Frau ist erhaben. Sogar auf Hochzeitseinladungen wird als erstes Srimati (die Frau) genannt, dann Sri, erst Mrs, dann Mister. Den Frauen wird die erste Stellung eingeräumt. Auch bei Götterpaaren wird als Erstes der weibliche Aspekt genannt, erst stri, dann purusha: Lakshmi-Narayana, Parvati-Parameshvara, Radha - Krishna. Den Frauen wird die Priorität eingeräumt. Prakriti, die Schöpfung, symbolisiert den weiblichen Aspekt. Ohne die Schöpfung, den weiblichen Aspekt, gäbe es keinen purusha, keinen Mann. Deshalb müssen die Männer die Frauen achten, damit sie wiederum geachtet werden.

Verkörperungen der Liebe!

Dieses Varalakshmi-Ritual birgt viele Aspekte in sich, aber die Essenz habe ich euch erzählt. Die in einer Frau liegende Kapazität ist... (Wort ist unverständlich). Die Männer fühlen sich großartig, wenn sie eine Frau zum Weinen bringen. Wenn ihr eine Frau zum Weinen bringt, werdet ihr morgen um so mehr zu weinen haben. Erlaubt nie, dass eine Frau Tränen vergießt! Die Frauen verkörpern Lakshmi, Wohlstand. Wenn ihr die Frauen, die Wohlstand personifizieren, achtet, wird die ganze Welt Segen, Wohlstand und Sicherheit erlangen. Welches Land oder Königreich ihr auch seht, ein Land, in dem charaktervolle tugendhafte Frauen leben, blüht und gedeiht. Ihr wisst, wie viele Länder durch die Weltkriege zerstört wurden. Bharat blieb auf Grund der Anwesenheit edler, heiliger Frauen intakt. Darin liegt Indiens Größe. Bharat verdankt seine Größe ausschließlich seinen Frauen. Achtet deshalb die Frauen und unternehmt jede Bemühung, sie glücklich zu machen; dann wird auch das Land sich weiterentwickeln.

Swami macht eine Pause und fragt: "Seid ihr glücklich?", und antwortet selber: "Ja!"

 

Übersetzung: Dr. S. B., Prashanti Nilayam.

 

Das Dharma der Frau - die Reise zu ihr Selbst

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