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Irgendwo
sollte eine Hochzeit gefeiert werden.
Die Brautleute hatten nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der
Meinung, daß viele Menschen mitfeiern sollten. Geteilte Freude
ist doppelte Freude, dachten sie.
Es sollte ein großes Fest werden, beschlossen sie, mit vielen
Gästen. Denn warum sollte unsere Freude nicht ansteckend sein?
fragten sie sich. Es herrscht unter den Menschen ohnehin mehr
Leid als Freude.
Also baten sie die Eingeladenen, je eine Flasche Wein
mitzubringen. Am Eingang würde ein großes Fass stehen, in das
sie ihren Wein gießen könnten; und so sollte jeder die Gabe des
anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein.
Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem
großen Fass und schöpften mit großen Löffeln daraus. Doch wie
groß war das Erschrecken aller, als sie merkten, daß es Wasser
war.
Versteinert saßen oder standen sie da, als ihnen allen bewußt
wurde, daß eben jeder gedacht hatte: Die Flasche Wasser, die ich
hineingieße, wird niemand merken oder schmecken. Nun aber
wußten sie, daß jeder so gedacht hatte. Jeder von ihnen hatte
gedacht: Heute will ich mal auf Kosten anderer feiern.
Unruhe, Unsicherheit und Scham erfaßte alle, nicht nur, weil es
lediglich Wasser zu trinken gab.
Als um Mitternacht das Flötenspiel verstummte, gingen alle
schweigend nach Hause, und jeder wußte: Das Fest hat nicht
stattgefunden.
Chinesische Parabel
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