Babas Segen und 
 

 

Babas Gnade

Dieses Jahr schenkte mir Baba auf der Rückreise von Puttaparthi nach Deutschland ein klares Verständnis, wie sich Sein Segen und Seine Gnade voneinander unterscheiden. Es geschah in einem "inner-view" im Flugzeug von Bombay nach Deutschland, nachdem wir uns vorher fast fünf Wochen lang vergeblich um ein "Inner-view" bemüht hatten.

Ich hatte in der letzten Zeit öfter Berichte gehört und gelesen, daß Menschen Babas Gnade als hart und kaum auszuhalten empfunden hatten, während Sein Segen keine Komplikationen zu verursachen schien. So begann ich zu sinnieren, was es mit diesem Mysterium wohl auf sich habe, denn "jemandem gnädig gesonnen sein" oder "jemanden gnädig stimmen" und "Gottes Gnade herbeiflehen" klingt eigentlich sanft und vertrauenerweckend und nicht furchterregend, hart und grausam.

Und doch hatte ich in einem Buch gelesen, daß einmal ein Inder mit seiner ganzen Familie von Baba im Interview versichert bekommen hatte, Seine Gnade sei vollkommen mit ihnen allen. Diese Familie, schon seit Jahren treu an Baba hängend und regelmäßig in Puttaparthi zu Besuch, kehrte daraufhin überglücklich heim, mit dem Gefühl, nun könne nichts mehr schief gehen. Stattdessen erlebten diese Leute die härtesten drei Jahre ihres Lebens. Alles schien schiefzugehen. Der Mann verlor seine Stellung, wurde denunziert, krank, die weitere Familie wandte sich von ihm ab, wirtschaftlich stand er kurz vor dem Ruin - kurz gesagt, so hatten sie sich die Auswirkung von Babas Gnade nicht vorgestellt. Obendrein beachtete Baba sie alle bei gelegentlichen Besuchen in Puttaparthi überhaupt nicht, ließ sie auffallend links liegen - ganz im Gegenteil zu den vorhergehenden Jahren.

In einem anderen Fall bat eine Frau während des Darshan mehrmals: "Baba, gib mir Deine Gnade!" Als sie nicht aufhörte, Ihm das wieder und wieder zuzurufen, wandte Er sich ihr ernst und liebevoll zu und sagte: "Du kannst Meine Gnade haben, aber dann mußt du darauf gefaßt sein, neun Jahre lang alle möglichen Kalamitäten und Katastrophen über dich ergehen zu lassen. Bist du dazu bereit?" Worauf die Dame in weiser Selbsteinschätzung erwiderte "Nein, Baba, dann gib mit doch lieber Deinen Segen!"

Und eine dritte Geschichte wurde mir direkt von einer betroffenen Person berichtet:"Vor mehr als acht Jahren , als ich Baba noch nicht einmal dem Namen nach kannte, betete ich lange und intensiv zur Mutter Maria und bat sie inständig um Ihre Gnade. Daraufhin wurde ich bald schwer krank, bekam eine äußerst schmerzhafte chronische Krankheit, die bis heute noch nicht geheilt ist, mich aber im Verlauf von Jahren schließlich zu Baba gebracht hat. Die Krankheit hat verhindert, daß ich heiraten konnte, hat mich von Familie und Freunden getrennt bis zur fast völligen Isolation - aber ohne diese Krankheit wäre ich wohl nicht zu Baba gekommen und hätte mich vor allem kaum von allen inneren und äußeren Bindungen lösen können. Jetzt fühle ich mich völlig frei, nur noch von Gott abhängig und fürchte noch nicht einmal den Tod. Das war die letzte große Angst in mir gewesen, daß ich sterben könnte, bevor ich das Ziel - Gottesverwirklichung oder Erleuchtung  - erreicht hätte. Das wollte ich unbedingt in diesem Leben erreichen! Jetzt habe ich auch diesen allergrößten Wunsch vertrauensvoll in Babas Hände geben können und habe das Gefühl, daß seitdem das Leben erst richtig anfängt. Ich sehe daher die Krankheit mit allen Folgen als eine Auswirkung der Gnade, die Baba mir durch die Muttergottes zukommen ließ. Da diese Krankheit jetzt ihre Funktion erfüllt hat, bin ich voller Zuversicht, daß auch die vollständige körperliche Heilung nicht mehr lange auf sich warten läßt."

Dieses Erlebnis liefert für mich den Schlüssel zur Enträtselung des Mysteriums göttlicher Gnade. Mit Seinem Segen unterstützt Baba unsere Wünsche und hilft ihnen zu einer harmonischen und reibungsfreien Erfüllung. So kann man Baba um Seinen Segen bitten, wenn man ein Haus bauen oder eine Reise antreten oder heiraten oder ein Geschäft eröffnen möchte oder was auch immer. Es gibt viele Segnungen, aber nur eine Gnade. Die Gnade ist sozusagen der allerhöchste Segen, die Erfüllung des höchsten Wunsches, den wir haben können, nämlich den Wunsch, eins zu werden mit Gott. Und alles, was dazu beiträgt, daß dieser Wunsch sich erfüllt, könnte man daher als ein Stückchen der Gnade Gottes bezeichnen. Um mit Gott eins werden zu können, müssen wir Ihm in allem die Priorität einräumen und unsere allzu starken Bindungen an und Vorlieben für Personen, Dinge, Situationen etc. allmählich auflösen. Das ist nicht immer angenehm, ganz besonders, wenn der Prozeß durch Babas ausdrückliche und sozusagen konzentrierte Gnade verdichtet wird und zeitlich stark verkürzt abläuft.

Nun habe ich mich natürlich noch gefragt, was für eine Rolle Babas Segen denn in diesem Zusammenhang spielt. Denn wenn Seine Segnungen ausschließlich zu einem bequemen Leben für uns führen würden, wäre uns mit Babas Segen wenig geholfen. Und als Antwort kam mir, daß Babas Segen uns stärkt, so daß wir Seine Gnade aushalten können. Wenn wir alles Baba überlassen, gibt Er uns abwechselnd Seinen Segen und Seine Gnade, in Portionen, die gewährleisten, daß unsere Fahrt zu Ihm so sicher, schnell und komfortabel wie möglich verläuft.

C.K.
Ein Leserbrief aus dem Sathya Sai Brief Heft 41, Frühjahr 1992

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