Sai Gita
Im
Jahre 1962 besuchte Swami den Muddumalai-Wald. Dort erzählten ihm die
Waldaufseher von einem winzigen Babyelefanten, der unmittelbar nach der Geburt
seine Mutter verloren hatte. Baba akzeptierte den Babyelefanten sofort und
nannte ihn Sai Gita. Swami traf Vorkehrungen, sie unter Begleitung von vier
freiwilligen Helfern in einem Lastwagen nach Puttaparthi bringen zu lassen. Die
universelle Mutter der Mütter brachte jetzt ein bezauberndes kleines
„Haustier“ nach Hause und überschüttete es mit all der Gnade, die nur
wenige sich erträumen können. Swami ging selber zu ihr hin, liebkoste und fütterte
sie. Das süße, niedliche, kleine Geschöpf folgte Swami überall hin, sogar in
das Interviewzimmer!
| Mrs. Gita Mohan Rao, Dr. Padmanabans Tochter, erinnert sich an die frühen Tage: „Ich habe wundervolle Erinnerungen an den Babyelefanten Sai Gita. Wir Kinder folgten ihr überall hin. Wir staunten so sehr über ihre zielgerichtete Hingabe zu Swami und die Art und Weise, wie sie seine Anwesenheit immer schon aus der Entfernung spüren konnte. Frühmorgens um 3 Uhr war sie bereits auf den Beinen, und ihr damaliger Wärter Murali brachte sie für ihr tägliches Bad zum Chitravatifluss. Sie wurde mit Kumkum und Vibhuti geziert und umkreiste dann, gemeinsam mit den anderen Devotees, den Tempel. Danach wartete sie geduldig auf den Darshan ihres geliebten Herrn. Sobald er kam, hängte sie Swami eine Girlande um den Hals und berührte seine Lotosfüße ehrerbietig mit ihrem Rüssel.“ |
Gita Mohan Rao erinnert sich an Sai Gitas immense Liebe zu Swami: „Eines Tages, im Februar 1972, wurde Swami eingeladen, ein paar Tage in Dr. Padmanabans Haus zu verbringen. Als Swami sich auf die Abfahrt vorbereitete, hörten wir alle ein lautes, trompetenartiges Geräusch. Sai Gita klang verstört und war rastlos, denn sie konnte ahnen, dass Swami abfuhr. Swami reagierte auf ihren Ruf und ging zur Rückseite des Gebäudes. Auch wir folgten ihm und schauten zu, wie er sie liebevoll mit Äpfeln fütterte. Als er sie liebkoste, zog sie ihn fest an sich heran und weigerte sich, ihn loszulassen. Swami bat sie liebevoll: „Bitte lass mich los, Gita, ich habe zu gehen. Es ist spät, mein Goldstück. Ich werde bald zurückkommen. Bitte, lass mich los!“
Erst nach fünf Minuten sanfter Überredung ließ sie Swami los. Als er sich wegbewegte, umfasste sie seinen rechten Arm fest mit ihrem Rüssel und erlaubte ihm wieder nicht, zu gehen. Swami versuchte, ihr mehr Obst anzubieten, aber das war für sie kein Trost. Schließlich konnte Swami sich, nach vielem guten Zureden, von ihr befreien, aber mittlerweile war sein Kleid mit ihrem Speichel bedeckt, da sie ihn ständig mit ihrem Rüssel liebkost hatte.
Der
Flecken auf seinem Kleid nicht eingedenk, wandte Swami sich zu uns und sagte
etwas sehr Tiefgründiges: „Eure Hingabe sollte zielgerichtet sein wie ihre.
Sie wird nicht einmal von den Früchten, die ich ihr anbiete, in Versuchung geführt.
Sie will nur mich und denkt ständig an mich. Wenn ihr wie sie werdet, werdet
ihr in der Lage sein, meinen Darshan, Sparshan und Sambhasan (Gott sehen, berühren
und mit ihm sprechen) zu erhalten.“ Er gab ihr einen letzten aufmunternden
Klaps und ging weg. Da er überall bekleckst war, musste Swami zurück in sein
Zimmer gehen und sein Gewand wechseln. Was für eine wundervolle Beziehung sie
mit dem Herrn hatte!
| Einst hielt Swami anlässlich von Ganeshcaturti im Mandir eine Ansprache für die Studenten. Er sagte: „Die unter euch, die im Wohnheim wohnen, sehen die Autos die Straße auf und ab fahren. Sai Gitas Behausung befindet sich gegenüber vom Wohnheim. Sie schenkt den unzähligen Autos, die die Straße entlang fahren, keinerlei Beachtung. Aber sie kann ohne Vorwarnung spüren, wenn Swami vorbeifährt, und kommt sofort auf die Straße, um Swami zu begrüßen. So ist ihre Hingabe an den Herrn. Es ist beständige Liebe.“ |
Ihr Wärter Pedda Reddy berichtete: „Komme, was mag, Sai Gitas Aufmerksamkeit weist immer gleich einem Kompass in eine Richtung. Sobald sie die Sirene vom Polizeijeep hört, eilt sie, von wo immer sie sein mag, auf die Straße. Sie wird am Straßenrand stehen und, sobald sie Swamis Wagen erblickt, vor Freude trompeten. Sie wird sogar die Windschutzscheibe von Swamis Auto mit ihrem Rüssel umfangen und darauf warten, dass die Scheibe herunterrollt. Wenn das passiert, liebkost sie liebevoll Swamis Gesicht und Haare. Sie liebt Swamis Haarkrone und der Duft von Vibhuti belebt sie und sie ist dann in völliger Glückseligkeit. Wenn jedoch Swamis Wagen aus irgendeinem Grund nicht für sie anhält, verzweifelt sie und ist völlig niedergeschlagen. Sie fängt zu weinen an und murrt endlos. Manchmal, wenn sie so verstört ist, trompetet sie laut, als wenn sie ihn mir ihrer ganzen Kraft herbeirufen wolle. Dann ist es für den Hüter sehr schwer, sie zu besänftigen, und es braucht sogar eine Stunde, ehe er sie überreden kann, ihr Essen zu sich zu nehmen. So intensiv ist ihre Liebe zu Swami, und für diese intensive Sehnsucht belohnt sie der Herr mit so viel Segen.“
Der Leiter der Brindavan Universität, Sri Sanjay Sahni, erzählte eine erstaunliche Begebenheit:
„Eines Tages ahnte Sai Gita Swamis Ankunft und stand bereits, vollkommen wachsam, am Straßenrand, lange, ehe wir die Polizeisirene hören konnten. Wir rannten alle zu den Toren. Wenn sie an der Straße wartet, lässt Swami meistens so gut wie sicher das Auto anhalten. Genau das geschah an jenem Tag. Swami stieg aus dem Wagen und ging zu ihr hin. Wir wollten nicht einmal eine Millisekunde des göttlichen Dramas verpassen und rannten ebenfalls zu Swami. Plötzlich spritzte überall Wasser hin. Das geschieht häufig. Voller Aufregung und Freude begann Sai Gita zu urinieren. An jenem Tag, da die Szene sich auf geteerter Straße abspielte, spritzte das Wasser über den ganzen Platz, und so mussten wir uns alle zurückziehen. Swami jedoch war gelassen und blieb direkt neben ihr stehen, so dass sein Gewand völlig durchnässt wurde. Nach ungefähr einer Minute schaute Swami uns an und sagte etwas, das uns Schauer über den Rücken jagte. „Wenn ihr auch nur eine Tasse ihres Urins trinkt, könntet ihr möglicherweise einen Bruchteil ihrer Hingabe erhalten“, stellte Swami in ernstem Ton fest. Da wussten wir, auf welchem Niveau sich unsere Hingabe befindet und wie heilig diese reine Seele war, die in einen Elefantenkörper eingesperrt war. Als ich diesen Vorfall Jahre später in einer kleinen Gesprächsrunde in Swamis Anwesenheit in Trayee Brindavan erzählte, bestätigte Swami, der auf der Schaukel saß: „Ja, es ist wahr, es ist wahr!“ Es war Zeugnis ihrer reinsten Liebe zu Swami.
Auf die Frage, was die kostbarste Lektion war, die Pedda Reddy in den zwanzig Jahren seiner Verbindung mit Sai Gita gelernt hatte, antwortete dieser sofort: „Hingabe an Swami! Ich habe niemanden sich nach Swami sehnen sehen, so wie sie es tut. Das ist das Größte, was ich von ihr gelernt habe. Tatsächlich bete ich oft zu ihr und drücke ihr meine Dankbarkeit aus: „Sai Gita, allein wegen dir erhalte ich die Chance, Swami nahe zu kommen, dass er mit mir spricht und ich diese wunderbare Möglichkeit zu dienen erhalte. Diese heilige Gelegenheit schenkt mir Erfüllung.“
Eines Tages hörte Sai Gita den Klang der Sirene. Sie rannte zum Tor und hätte es eingerissen, wenn der Wärter nicht eingegriffen hätte. Sie rannte zum Tor, lange, ehe die Jungen (Swamis Studenten) sich aufreihten. Eigentümlicherweise war sie an dem Tag unangemessen aufgeregt, so dass es für den Wärter sehr schwer wurde, sie unter Kontrolle zu halten. Langsam nahte Swamis Wagen heran und Sai Gita schritt vorwärts. Jeder, der mit anschaute, wie Sai Gita ihren Rüssel zur Begrüßung hob, wurde an dem Tag Zeuge einer ungewöhnlichen Szene.
Sie legte ihren Rüssel mit allem Gewicht auf die Motorhaube von Swamis Wagen und weigerte sich, trotz seiner wiederholten Aufforderungen, sich wegzubewegen. Sie erschien sehr verstört und ihre Ohren bewegten sich in alarmierender Geschwindigkeit. Die Glasscheibe rollte herunter und sie berührte Swamis Wange und Haar mit ihrem Rüssel. Es war in der Tat ein bezaubernder Anblick. Stille trat ein. Etwas Unfassbares geschah zwischen dem Herrn und ihr. Nur jemand mit wahrhaft reinem Herzen konnte solche Dinge erfassen. Dann bewegte sie langsam ihren Rüssel von der Scheibe weg.
Swami stieg dann aus dem Auto aus und Sai Gita trat zurück. Swami ging zu ihr und murmelte liebevolle Worte zu ihr, während sie mit ihrem Rüssel nach seinen Lotosfüßen griff. Aus ihren Augen fiel eine Träne, und Swami sagte dann: „Komm schon, Gita, ich habe zu gehen“, und liebkoste sanft ihren Rüssel. Sie protestierte laut und platzierte ihren Rüssel wiederum auf die Motorhaube, als wolle sie „nein!“ sagen. Swami wiederholte: „Ich will gehen, Gita, komm schon, beweg dich!“ und streichelte ihre Wange. Die Tränen liefen ihre Wangen hinunter und tropften auf seine Hand. Er schaute sie an und nickte verständnisvoll. Ihre flatternden Ohren standen still und ihr massives Haupt hing nach unten. Da sagte Swami: „In Ordnung! Ich werde nicht gehen!“ Sogleich bewegten sich ihre Ohren. Sie selbst rührte sich keinen Zentimeter. Möglicherweise wollte sie den Kontakt mit ihrem Herrn nicht unterbrechen. Sie stand jetzt bewegungslos mit gesenktem Kopf und lauschte eindringlich ihrem Herrn. Da streichelte Swami sie liebevoll und sagte: „Geh zurück zu deiner Behausung.“ Sie schüttelte sanft ihr Haupt, als wolle sie „nein!“ sagen. Da flehte Swami sie an: „Wirst du zurückgehen, wenn ich zurück zum Aschram fahre? Bist du dann glücklich?“ Sie erzitterte plötzlich vor Freude und gab in ihrer eigenen Sprache die Antwort, dass sie jetzt wirklich glücklich war. „Braves Mädchen, braves Mädchen“, sagte Swami. Dann wandte Swami sich zu den Studenten und nahm ein Taschentuch an. Er wandte sich wieder ihr zu und wischte ihre Tränen ab. Dann schaute er wieder die Jungen an und sagte beiläufig: „Tatsächlich hatte ich geplant, heute nach Brindavan zu gehen.“
Das war eine schockierende Nachricht, denn niemand wusste, dass Swami Puttaparthi verlassen wollte. Alle Jungen waren wie vor den Kopf gestoßen und standen einfach mit gefalteten Händen da. Swamis Blick strich dann über alle Jungen, und er fuhr fort, während er seine Hände mit demselben Taschentuch trocknete: „Ich wollte in aller Stille ohne großes Getue nach Whitefield gehen, aber schaut sie an!“ Seine Augen und die aller anderen blickten wieder Sai Gita an. Sie wusste es, sie schien geahnt zu haben, dass sie einige Tage von ihrem geliebten Herrn getrennt sein würde, und weinte sich deshalb die Seele aus dem Leib. Die Arme! Er warf ihr wieder einen Blick zu und folgte mit seinen Augen ihrem Rüssel, der jetzt auf seinen Füßen lag. Sanft stupste sie sein Gewand zurück und fing an, seine Lotosfüße zu liebkosen.
| Swami ging jetzt zu seinem Wagen
und bemerkte: „Seht, seht! Sie liebt Swami so sehr, dass sie sogar
Swamis Gefühle erspüren kann. Sie kam zu Swami, als sie bloß ein
winziges Baby war. So viele Jahre sind vergangen, aber seht, ihre Liebe
hat sich nur verstärkt! Ausdehnung von Liebe! Das ist Hingabe!“
Sai Gita starb am 22. Mai 2007 in Puttaparthi. Aus: Sai Gita, Broschüre,
zusammengestellt von Madhuri D. Kara. |