Erlangt Erleuchtung
durch
das Aufgeben eurer Wünsche
Alle
Namen und Formen
sind nur die Manifestationen des höchsten Wesens,
das Sein-Bewusstsein-Glückseligkeit,
absolut und nicht dualistisch ist.
Es
ist die Verkörperung von Wahrheit, Güte, Schönheit (satyam shivam sundaram).
(Vers
in Sanskrit)
Verkörperungen
der Liebe!
An
diesem heiligen Tag des Buddhapūrnimā-Festes reden wir über Buddha
und pūrnimā (Vollmond). Doch selten erforschen wir Buddhas Lehren,
seine Tugenden und seine vorbildliche Lebensweise.
König
Shuddhodana und seine Gemahlin Māyādevī führten
jahrelang viele spirituelle Übungen durch wie Rezitieren und Wiederholen eines
heiligen Namens, eines Gebets oder Mantras (japa), disziplinierte spirituelle Übungen
(tapas), Gelübde (vrata) und heilige Opferhandlungen (yajna), um einen Sohn zu
bekommen. Sie konsultierten auch viele Astrologen. Shuddhodana hatte keinen
Seelenfrieden, da die Sorge, keinen Thronerben zu haben, ihn Tag und Nacht quälte.
Ihre Gebete wurden endlich erhört, als Māyādevī in Lumbini einen
Sohn gebar. Unglücklicherweise starb Māyādevī bald nach der
Geburt ihres Sohnes, der den Namen Siddhārtha erhielt. Die zweite Gemahlin
Shuddhodanas, Gautamī, zog das Kind mit liebevoller Fürsorge wie ihren
eigenen Sohn auf. Das ist der
Grund, weshalb er auch Gautama genannt wurde. Die Astrologen sagten voraus, dass Siddhārtha nicht das Königreich regieren, sondern es
verlassen und ein dem weltlichen Leben Entsagender werden würde. Diese
Vorhersage der Astrologen klang Shuddhodana immer in den Ohren und beunruhigte ihn, als er seinen Sohn aufwachsen sah. Er traf
alle Vorkehrungen, damit er den Palast nicht verließ und in die Gesellschaft
anderer geraten und von ihnen beeinflusst werden konnte. So beschützte er
zwanzig Jahre lang seinen Sohn vor dem Einfluss anderer.
Siddhārthas Sehnsucht nach der höchsten Wahrheit
Eines
Tages kamen die Eltern eines Mädchens zu Shuddhodana und äußersten ihren
Wunsch, ihre Tochter mit seinem Sohn Siddhārtha zu verheiraten. Das Mädchen
hieß Yashodharā. Shuddhodana akzeptierte ihren Vorschlag und vollzog die
Trauung von Siddhārtha und Yashodharā. Aufgrund des liebevollen Drängens
seiner Eltern blieb Siddhārtha auch nach der Hochzeit bei ihnen im Palast.
Ein Jahr nach der Hochzeit bekam er einen Sohn, der den Namen Rahul erhielt. Er
und seine Gemahlin lebten glücklich mit ihrem Sohn.
Trotz
aller Bequemlichkeiten im Palast und des glücklichen Ehelebens wurde Gautama
unruhig, nachdem er sich eines Tages aus dem Palast gewagt und unter dem Alter
leidende, von Krankheit befallene und vom Tod heimgesuchte Menschen gesehen
hatte. Eines Nachts vollzog sich in ihm eine plötzliche Wandlung. Seine
Gemahlin schlief fest, als er um Mitternacht aufstand, seinen Sohn liebkoste und
in den Wald ging. Dort musste er viele Schwierigkeiten auf sich nehmen. Doch er
begegnete allen Prüfungen mit Geduld und Entschlossenheit. Seine Eltern waren
voller Trauer, unfähig, den Schmerz der Trennung von ihrem Sohn zu ertragen.
Obwohl auch Siddhārtha große Qualen erlitt, folgte er seinem Weg der
Selbstverwirklichung.
Im
Verlaufe seiner Reisen traf er einmal einen heiligen Mann. Dieser sagte ihm,
dass die Ursache seiner Qualen tatsächlich in ihm selbst liege und dass diese
Qualen ihn an seiner Selbstverwirklichung hinderten. Indem er dies sagte, gab er
ihm zum Schutz einen Talisman und bat ihn, ihn um den Hals zu hängen. (In
diesem Augenblick materialisierte Bhagavān diesen Talisman und zeigte ihn
der Versammlung unter donnerndem Beifall.) Dies war der Talisman, den Siddhārtha
von dem Weisen erhielt. Als er ihn um seinen Hals hängte, verschwanden alle
seine Qualen auf der Stelle. Buddha trug diesen Talisman bis zum letzten
Augenblick seines irdischen Daseins um seinen Hals. Als er seine sterbliche Hülle
verließ, verschwand der Talisman.
Siddhārtha
begann, intensiv Buße zu tun, und führte dies lange Zeit
fort. Er fragte sich immer wieder: „Wer bin ich? Bin ich der Körper?
Bin ich der Geist (mind)? Bin ich der Intellekt (buddhi)? Bin ich das innere
Bewusstsein (citta)?“ Er kam zu dem Schluss, dass er nichts von alledem war.
Schließlich erfuhr er die Wahrheit: „Ich bin ich.“
Erkennt
die Einheit der gesamten Schöpfung
Die
Veden erklären: ‚Ich bin brahman[1]
(aham brahmāsmi)’ und ‚DAS bist DU (tat tvam asi).’ Selbst nach
diesen beiden vedischen Erklärungen gibt es zwei Dinge: ‚ich’ und ‚brahman’,
‚DAS’ und ‚DU’. Die wahre Weisheit besteht jedoch darin, Einheit zu
sehen. Die Erkenntnis der Nicht-Dualität ist Weisheit (advaitadarshanam jnānam).
Es ist ein Zeichen von Unwissenheit, Dualität zu sehen und die zugrunde
liegende Einheit nicht zu erkennen. Dualität ist nicht die Wahrheit. So stellte
Buddha tiefe Nachforschungen an und kam schließlich zu der Erfahrung: „Ich
bin ich.“ Das ist wahres Erkennen. Ihr mögt viele Jahre lang Buße tun, ihr mögt
meditieren und viele yogische Übungen verrichten. Doch all diese spirituellen
Übungen verleihen nur vorübergehende Befriedigung, keine immerwährende Glückseligkeit.
Manche Menschen sprechen von Meditation. Auch Buddha war ein Befürworter der
Meditation. Worüber müsst ihr meditieren? Was bedeutet Meditation? Bedeutet
es, sich auf ein bestimmtes Objekt zu konzentrieren? Nein, nein. Das ist überhaupt
keine Meditation. Wahre Meditation ist das Kontemplieren des Prinzips: „Ich
bin ich.“ Keine andere spirituelle Praxis (sādhana) kommt dieser Übung
gleich.
Solange
ihr das dualistische Gefühl von ‚du’ und ‚ich’ habt, könnt ihr die
Einheit nicht erfahren. Buddha erkannte das Prinzip der Einheit und gründete
sein Leben auf dieser Wahrheit. Unter der Anleitung vieler Yogis hatte er
verschiedene Arten der Meditation und Buße verrichtet. Doch schließlich
stellte er fest, dass sie reine Zeitverschwendung waren, da keine von ihnen ihn
zu der letztendlichen Erfahrung der Einheit führen konnte. Er bedauerte, dass
er seine Zeit auf diese Weise verschwendet hatte. Man sollte seine Erfüllung im
Leben finden, indem man die Zeit richtig nutzt. Das ist die erste Pflicht des
Menschen.
Verkörperungen
der Liebe!
Viele
Menschen verrichten verschiedene Arten von spirituellen Übungen wie das
Rezitieren und Wiederholen eines heiligen Namens, eines Gebets oder Mantras (japa)
und Meditation (dhyāna), ohne das Prinzip der Einheit zu erkennen. Die
Zunge spricht den Namen Rāma aus, doch im Herzen ist Leere. Dies ist reine
Zeitverschwendung. Anstatt so eure Zeit zu verschwenden, verrichtet sozialen
Dienst und seht dabei Gott in jedem Menschen. Das ist wahre spirituelle Praxis.
Erkennt die allen Wesen innewohnende Göttlichkeit.
In
der Schöpfung scheint es zwei Wesenheiten zu geben: Du und Ich. Doch in
Wirklichkeit sind Du und Ich eins. Das Individuum (vyashti) ist ein Teil der
Gesellschaft (samashti) und die Gesellschaft ist ein Teil der Schöpfung (srishti),
die aus Gott (parameshthī) hervorgeht. Dieser Gott ist das Prinzip des
brahman (parabrahmatattva). Dieses Prinzip ist die Grundlage der gesamten Schöpfung.
So müsst ihr die Einheit der gesamten Schöpfung erkennen. Nur dann könnt ihr
Gott oder das brahman-Prinzip erreichen. Jeder muss sich immer wieder daran
erinnern: „Ich bin Gott, ich bin Gott.“ Alle sind die Verkörperungen des
ātman[2],
und alle werden durch den ātman erhalten. Buddha erfuhr die Einheit der
gesamten Schöpfung. Als er die Vision des Einsseins mit dem ātman (ekātma)
erreicht hatte, vollzog sich in ihm eine vollkommene Wandlung. Er erkannte, dass
alle weltlichen Beziehungen wie die zur Mutter, zum Vater, zur Ehefrau, zu den
Kindern falsch waren. Er transzendierte sein Körperbewusstsein. Das ist der
Grund, weshalb er den Namen Buddha, der Erwachte, der Erleuchtete, erwarb. Der
Mensch sollte sein Unterscheidungsvermögen, seine Intelligenz (buddhi) dazu
benutzen, dieses Prinzip der Einheit zu verstehen. Es gibt zwei Arten von
Unterscheidungsvermögen oder Intelligenz. Die Intelligenz, die Vielheit in der
Einheit sieht, ist die weltliche Intelligenz. Der Mensch sollte spirituelle, auf
das höchste Selbst bezogene Intelligenz (ādhyātmikabuddhi)
entwickeln, um die der gesamten Schöpfung zugrunde liegende Einheit zu
erkennen. Sie verleiht euch die Erfahrung des ātman-Prinzips, das in der
gesamten Schöpfung das Gleiche ist. Buddha erreichte die Vision des ātman.
Nach seiner Erfahrung lehrte er, dass es auf der Welt nur ein göttliches
Prinzip gibt.
Ich
suche Zuflucht bei dem Buddha (buddham sharanam gacchāmi)
Ich
suche Zuflucht in der Gemeinschaft (sangham sharanam gacchāmi)
Ich
suche Zuflucht in der Lehre Buddhas (dharmam sharanam gacchāmi)
Buddha
lehrte, dass das Prinzip der Einheit des ātman das einzige wahre Prinzip
auf der Welt sei. Er sagte, dass einer, der dieses Prinzip durch die Benutzung
seiner spirituellen Intelligenz erkenne, ein wahrer Buddha sei. Auf dieser Welt
existiere nichts anderes als der ātman.
In
dieser vergänglichen Welt gibt es etwas, das wahr und ewig ist. Das ist Gott.
Ihn sollte jeder versuchen zu erreichen. Ich suche Zuflucht in der Wahrheit (satyam
sharanam gacchāmi). Ich suche Zuflucht in der Einheit (ekam sharanam gacchāmi).
Alles auf dieser Welt ist die Manifestation Gottes. Es gibt kein anderes Prinzip
als Gott. Es ist das göttliche Prinzip, das die ganze Welt regiert. Nachdem
Buddha diese Wahrheit erkannt hatte, zog er zusammen mit seinen Jüngern von
Dorf zu Dorf, um sie zu verbreiten. Er hatte nie das Bedürfnis, sich
auszuruhen. Er hielt es für seine Pflicht, dieses höchste Wissen mit seinen
Mitmenschen zu teilen. Sogar sein Vater Shuddhodana kam zu ihm. Auch er erkannte
diese Wahrheit und wurde verwandelt. Was lehrte Buddha? Buddha lehrte, dass in
jedem das gleiche göttliche Prinzip gegenwärtig sei. Es gibt nur eine
Wahrheit, aber die Gelehrten geben ihr viele Namen (ekam sad viprāh bahudhā
vadanti). Die gleiche Botschaft wurde von Krishna in der Bhagavadgītā
vermittelt, als er sagte, dass alle Wesen sein eigenes Spiegelbild seien und
niemand von ihm verschieden sei. Buddha musste große Schwierigkeiten auf sich
nehmen, um diese Wahrheit zu erkennen. Viele edle Seelen, die zur Zeit Buddhas
lebten, erkannten seine Größe an. Sie sagten, Buddha habe die Wahrheit
erfahren, die sie nicht fähig waren zu erkennen. Da Buddha alle seine Wünsche
aufgab, wurde er zur Verkörperung des totalen Verzichts. Es war nichts in ihm
außer Liebe. Er betrachtete die Liebe als seinen wahren Lebensatem. Ohne Liebe
würde die Welt in eine Öde verwandelt werden.
Versucht,
die Tiefe von Buddhas Lehren zu verstehen
Versteht,
dass, wenn ihr jemanden grüßt, ihr euch selbst grüßt. Dieser Jemand ist
niemand anderes als euer eigenes Spiegelbild. Seht andere so, wie ihr euer
eigenes Spiegelbild im Spiegel seht. Das ist die Botschaft, die von dem
bedeutenden vedischen Lehrsatz: ‚Ich bin brahman (aham brahmāsmi)’
vermittelt wird. Die Namen und Formen mögen verschieden sein. Doch alle Wesen
sind Bestandteil des gleichen göttlichen Prinzips. Ihr mögt dies als ein
Taschentuch bezeichnen. Ihr mögt
jenes als ein Kleid bezeichnen. Doch beide sind aus Baumwolle hergestellt.
Genauso ist Gott das zugrunde liegende Prinzip in der augenscheinlichen Vielheit
dieser Welt. Viele so genannte Gelehrte reden heute nur von der Vielfalt. Sie
behaupten, die heiligen Schriften zu beherrschen, und versuchen, sie auf ihre
Weise mit ihrem begrenzten Wissen zu interpretieren. Ihre Interpretationen
entsprechen nicht der Wirklichkeit. Sie machen die Verwirrung nur noch größer.
Buddha
lehrte, dass wir keinen Zorn haben, bei anderen nicht nach Fehlern suchen und
anderen keinen Schaden zufügen sollten, weil alle die Verkörperungen des
reinen, ewigen Prinzips des ātman sind. Habt Mitgefühl mit den Armen und
helft ihnen so weit wie möglich. Ihr glaubt, dass diejenigen, die nichts zu
essen haben, arme Menschen sind. Ihr könnt nicht jemanden als arm bezeichnen,
nur weil er kein Geld oder nichts zu essen hat. In Wirklichkeit ist
niemand arm. Alle sind reich, nicht arm. Diejenigen, die ihr für arm haltet, mögen
kein Geld haben. Doch alle besitzen den Reichtum des Herzens (hridaya). Versteht
und respektiert dieses zugrunde liegende Prinzip der Einheit und Göttlichkeit
in allen und erfahrt Glückseligkeit. Habt nicht solche engstirnigen
Einstellungen wie Soundso ist euer Freund, Soundso ist euer Feind, Soundso ist
euer Verwandter usw. Alle sind eins, behandelt alle gleich. Das ist eure
vornehmste Pflicht. Es ist die wichtigste Lehre Buddhas. Doch die Menschen
erforschen nicht die Lehren Buddhas und verstehen nicht die Heiligkeit seines
Herzens. Sie reden nur über seine Geschichte. In Wahrheit ist Buddha nicht nur
diese eine Person. Ihr alle seid Buddhas. Wenn ihr diese Wahrheit versteht,
werdet ihr überall Einheit sehen. Es ist Einheit in der scheinbaren Vielheit.
Wenn ihr von vielen Spiegeln umgeben seid, seht ihr viele Spiegelbilder von
euch. Es gibt viele Spiegelbilder, aber nur eine Person. Es gibt viele
Reaktionen, Widerspiegelungen und Widerhalle, doch nur eine Wirklichkeit. Wenn
ich hier spreche, wird meine Stimme durch jeden Lautsprecher in dieser Halle gehört.
Genauso existiert das Prinzip der Einheit in unseren Herzen, das wir erkennen müssen.
Das Leben des Menschen findet nur dann Erfüllung, wenn sein Geist (mind) das
Prinzip der Einheit erfährt. Es hat keinen Sinn, Einigkeit unter den Menschen
herbeizuführen, ohne sie in ihrem Denken und Fühlen (minds) zu vereinen. Der
Geist (mind) ist sowohl für das Gebundensein als auch für die Befreiung des
Menschen verantwortlich (manah eva manushyānām karanam bandamokshāya).
Ihr seht jemanden und sagt, dass er ein schlechter Mensch ist. Ihr seht einen
anderen Menschen und nennt ihn einen guten Menschen. Doch in Wirklichkeit
existieren Gut und Schlecht in euren Gedanken (mind) und nicht in den Menschen
in eurer Umgebung. Ihr sagt, dass dieses Taschentuch weiß und dieses Mikrofon
schwarz ist. Der Farbunterschied wird durch eure Augen wahrgenommen. Doch im
Grunde genommen sind Schwarz und Weiß ein und dasselbe. Jeder sollte sich bemühen,
die Einheit in der Vielheit zu sehen. Nur dann könnt ihr Gott erfahren.
Die von
Buddha gelehrten Prinzipien haben eine tiefe Bedeutung, doch die Menschen
versuchen nicht, sie zu verstehen. Ihr habt vielleicht bemerkt, dass Buddha
lockiges Haar auf seinem Kopf hatte. Eine Haarlocke war mit der anderen
verflochten. Dem liegt eine Botschaft der Einheit zugrunde. Er hatte nur ein Gefühl
in seinem Herzen, das Gefühl der Liebe. Er lehrte: Ich suche Zuflucht im dharma[3]
(dharmam sharanam gacchāmi); ich suche Zuflucht in der reinen Liebe (premam
sharanam gacchāmi). Ohne Liebe kann die Menschheit nicht bestehen. Wir
sollten alle lieben ohne Rücksicht darauf, ob einer reich ist oder arm. Geld
sollte nicht das Kriterium für das Teilen eurer Liebe mit euren Mitmenschen
sein. Geld ist nicht wichtig. Geld kommt und geht, die Moral kommt und wächst.
Verletzt andere nicht. Helft immer, verletzt niemals. Nur dann könnt ihr den
Zustand Buddhas erreichen. Es hat wenig Sinn, lange Vorträge zu halten, wenn
ihr das Prinzip der Einheit Gottes nicht erkennt. Ihr mögt Gott jeden Namen
geben wie Rāma, Krishna, Buddha, Sai usw.; alle verkörpern das gleiche göttliche
Prinzip. Bewahrt die Blume der Einheit auf dem Altar eures Herzens und lasst
ihren Duft überallhin strömen. Spirituelle Praktiken wie das Rezitieren und
Wiederholen eines heiligen Namens, eines Gebets oder Mantras (japa) und
disziplinierte spirituelle Übungen (tapas) werden nicht zu dem erwünschten
Ergebnis führen, wenn ihr das Prinzip der Einheit nicht erkennt. Viele Menschen
zählen die Perlen des Rosenkranzes. Doch was nützt dies, wenn sich die
Gedanken (mind) auch ständig um die Welt herum bewegen? Versteht, dass der
Geist (mind) äußerst wichtig ist. Ihr solltet einen ruhigen, unerschütterlichen
Geist haben. Nur dann wird euer Leben erlöst werden. Was nützt es, wenn euer
Geist um jedes einzelne Objekt kreist wie Fliegen, die sowohl um Dreck als auch
um Laddus (eine der indischen Süßigkeiten – Anm.d.Ü.) kreisen?
Lasst
es nicht zu, dass euer Geist zwischen Gut und Schlecht, Einheit und Vielheit
schwankt. Konzentriert ihn auf alles, was gut ist, und erkennt das Prinzip der
Einheit. Das ist der königliche Weg, der euch zur Erfahrung der Wahrheit führen
wird. Wenn ihr dagegen eurem Geist erlaubt, dem krummen Weg zu folgen, wird dies
euch nirgendwohin führen.
Verkörperungen
der Liebe!
In allen
von euch ist das gleiche göttliche Prinzip der Liebe vorhanden. Wenn ihr den
Weg der Liebe einschlagt, werdet ihr selbst zu Buddha werden. Heute ist der
Buddhapūrnimā-Festtag. Pūrnimā bedeutet Vollmond. Die
Buddhapūrnimā zugrunde liegende Botschaft ist, dass der Geist (mind)
mit vollkommener Reinheit wie der Vollmond scheinen sollte. Er sollte sich mit
seinem Ursprung, dem ātman, der rein und strahlend ist, vereinigen. In
einer Vollmondnacht gibt es keine Dunkelheit. An diesem Glück verheißenden
Buddhapūrnimā-Tag sollten wir die volle Reinheit des Geistes erlangen.
Fülle
ist jenes, Fülle ist dieses;
die
Fülle ist aus der Fülle geboren;
nimmt man von der Fülle die Fülle fort,
bleibt
doch die Fülle übrig.
(pūrnam
adah pūrnam idam;
pūrnat pūrnam udacyate;
pūrnasya pūrnam ādāya,
pūrnam evā vashishyate.)
(Spruch
aus den Upanischaden – Anm.d.Ü.)
Diese
Wahrheit müssen wir erkennen.
Verkörperungen
der Liebe!
Es macht
mir große Freude, euch alle heute hier versammelt zu sehen. Ihr seid durch das
Band der Liebe miteinander verbunden. Es gibt nur eine Liebe. Sie ist nicht
verschieden in euch, in mir und in anderen. Ihr habt eure Liebe mit der Liebe
Swamis vereinigt. Es gibt nur eine Liebe. Lebt in Liebe.
Bhagavān
beendete seine Ansprache mit dem Bhajan: „Prema mudita mānase kaho…“
Aus
Bhagavāns Buddhapūrnimā-Ansprache in der Sai Ramesh Krishan-Halle
in Brindāvan (Whitefield), Bangalore, am 13. Mai 2006
Alle Sanskrit erläuternden ,Anm.d.Ü.’
= Prof. Dr. phil. Martin Mittwede und sein Buch SANSKRIT/DEUTSCH von 1999
©
Sathya Sai - Vereinigung e.V. Deutschland
[1] das brahman = das Allumfassende; das Universelle; das alles durchdringende, göttliche, namenlose, formlose, ewig absolute, allem innewohnende Prinzip – Anm.d.Ü.
[2] der ātman = die unsichtbare Grundlage, das wirkliche Selbst, die dem Menschen innewohnende Göttlichkeit; die Seele, welche die Wirklichkeit innerhalb der fünf Schichten (kosha) darstellt, deren äußerste der physische Körper ist; der göttliche Funke im Inneren. Der ātman ist die Wirklichkeit hinter dem Schein und jedem Wesen innewohnend; er ist unsterblich; er ist der Zeuge, unberührt von allem Wandel in Zeit und Raum; er ist das Geheimnis jenseits dessen, was sich durch Körperliches fassen lässt. – Anm.d.Ü.
[3] der dharma = Gebot Gottes; die Pflicht des Menschen; Verhaltensregeln oder Regeln der Selbstdisziplin, Rechtschaffenheit, Gerechtigkeit, Moralgefühl, Tugendhaftigkeit – Anm.d.Ü.