Wenn
der Mensch den Leib seiner Mutter verlässt,
findet man keine Girlande um seinen Hals.
Da sind keine Juwelen aus Perlen, noch glitzernde Verzierungen aus Gold.
Da sind keine Ketten,
die mit kostbaren Steinen wie Smaragden und Diamanten übersät sind.
Aber er trägt eine Girlande um den Hals.
Brahmā
fügt die Folgen seiner vergangenen Handlungen
zu einer schweren Girlande aneinander
und legt sie ihm zum Zeitpunkt seiner Geburt um den Hals.
Verkörperungen
der Liebe!
Was
wir heute begreifen müssen, ist, dass wir mit einer Girlande von Karma um
unseren Hals geboren werden. Brahmā[1] fügt alle unsere Handlungen zusammen, seien sie
gut oder schlecht, und macht daraus diese schwere Girlande. Deshalb müssen wir
uns vor jeder Handlung fragen, ob sie gut oder schlecht ist.
Macht
geheiligten Gebrauch von euren Sinnen
Es
gibt immer eine Belohnung für unsere guten Taten, ob wir danach trachten oder
nicht. Gleichermaßen können wir den gefährlichen Folgen nicht entkommen, die
daraus entstehen, dass wir Schlechtes denken, hören, reden und tun.
Wisst ihr, wozu euch die Augen gegeben wurden?
Um euch alles und jedes anzuschauen, das euch begegnet?
Nein,
nein, euch sind die Augen geschenkt worden, damit ihr die Vision Gottes
(den höchsten Gipfel im Wesen des
Menschen, wo Gott der Herr wohnt – Anm.d.Ü.)
erreichen mögt.
Wisst ihr, wozu euch der Geist gegeben wurde?
Um in allen Gassen und Seitengassen umherzuwandern?
Nein, nein, der Geist wurde euch geschenkt, damit ihr Glückseligkeit erfahrt, indem ihr die wunderschöne Gestalt und den Namen Gottes kontempliert.
(Lied in Telugu)
Auf
diese Weise müsst ihr prüfen, was gut und was böse ist und dementsprechend
handeln. Niemand kann den Folgen seiner Handlungen entkommen. Jeder, der in
dieser Welt geboren wird, muss sowohl Gutes wie Schlechtes erfahren. Manche edle
Seelen verstehen diese Wahrheit und erleben Glückseligkeit dadurch, dass sie
alles Gute in ihrem Geist hegen und wertschätzen und alles Schlechte
ignorieren. Manchmal ist eure Sichtweise befleckt durch den Anblick schlechter
Dinge und schlechter Menschen. In einer solchen Situation solltet ihr sofort
vorsichtig werden und euch daran erinnern, dass euch die Augen gegeben wurden,
damit ihr auf edle Menschen schaut und nicht auf alle möglichen Leute um euch
herum. Manche Leute schwelgen in böswilligem Klatsch und in der Kritik an
anderen. Es ist die größte Sünde, wenn man andere kritisiert. Anstatt andere
zu tadeln, solltet ihr eure eigenen schlechten Eigenschaften kritisieren. Wie könnt
ihr Verdienste erlangen, wenn ihr andere kritisiert? Ihr werdet euch nur versündigen.
Die
Welt wird als die erschaffene Welt bezeichnet, da sie die Manifestation
der fünf Elemente
ist. Der heutige Mensch missbraucht sie. Er glaubt, es sei ganz natürlich, dass
er sie zu seinem eigenen größten Nutzen ausbeutet. Aber das ist höchst unnatürlich
und unheilig. Im Moment mag das alles gut und natürlich erscheinen, aber später
wird er sich unüberwindlichen Schwierigkeiten gegenüber sehen. Diese fünf
Elemente sind in Form der Sinne - Hörsinn, Tastsinn, Sehsinn, Geschmackssinn
und Geruchssinn - in jedem Menschen vorhanden. Euer Leben wird nur erlöst
werden, wenn ihr rechten Gebrauch macht von den fünf Sinnen und von den fünf
Elementen. Nutzt eure Sinne nie auf unheilige Weise. Heutzutage interessieren
sich die Leute dafür, die falschen Dinge zu sehen. Sie sind ganz Ohr, wenn
jemand sich in unnützem Geschwätz und bösem Klatsch ergeht. Hört nie auf
schlechtes Gerede und lasst euch nicht davon beeinflussen. Gott hat euch mit
zwei Augen und zwei Ohren gesegnet, damit ihr seine schöne Gestalt sehen und
seinen süßen und heiligen Namen hören könnt. Nur wenn ihr euch an diese
Prinzipien haltet, könnt ihr das Leben eines wahren Menschen führen. Die
menschliche Geburt ist in höchstem Maße heilig. Die Geburt als Mensch ist die
seltenste von allen und schwer erreichbar (jantūnam
narayanma durlabham). Sie wurde selten und kostbar genannt, weil man als Mensch
heilige Handlungen tun kann. Wenn ihr aber eure fünf Sinne nicht heiligt und
keinen guten Gebrauch von den fünf Elementen macht, wird euer Leben als Mensch
profan und bedeutungslos. Welchen Nutzen hat ein solches Leben? Es ist in
Wahrheit ein trostloses Dasein. Deshalb ist es wichtig für Jungen und Mädchen
wie auch für die Älteren, dem richtigen Weg zu folgen und die fünf Sinne
richtig zu gebrauchen.
Das Leben als Mensch ist höchst heilig. Was ist die Bedeutung des Wortes mānava (Mensch)? Mā = māyā (Täuschung, Illusion), na = ohne, va = vartinchuta (sich benehmen, sich verhalten). Deshalb liegt wahres Menschsein im Transzendieren der Täuschung und Illusion (māyā) und dem Folgen des Weges der Rechtschaffenheit. In dieser Welt ist der Mensch nicht neu. Er ist uralt und ist schon viele Male hier gewesen. Es ist ein Unglück, dass er immer noch nicht die wahre Bedeutung des menschlichen Lebens begriffen hat, obwohl er eine Anzahl von Leben als Mensch durchlaufen hat. Er verbringt sein gesamtes Leben mit Essen, Trinken, Schlafen und der Freude an weltlichem Vergnügen. Ist das der Sinn des Lebens? Selbst die Vögel, Raubtiere und Tiere tun das gleiche. Worauf also gründet sich die Annahme des Menschen, dass er den Tieren überlegen sei? Wenn ihr mit euren Mitmenschen kämpft und sie verletzt, dann ist euer Benehmen nicht besser als das von wilden Tieren. Man kann das nicht menschliches Verhalten nennen. Macht andere nicht für euer Leiden verantwortlich und weist nicht anklagend mit dem Finger auf sie.
Studenten sollten den edlen Idealen der indischen Kultur folgen.
Verkörperungen
der Liebe!
Bei
der Geburt aus dem Leib eurer Mutter seid ihr frei von Täuschung. Doch wenn ihr
heranwachst, werdet ihr von Täuschung überwältigt. Auch die Zahl eurer Wünsche
wächst. Ihr solltet eure Wünsche unter Kontrolle halten. Genau gesagt, sollte
es für alles im Leben Grenzen geben. Aber der heutige Mensch lebt ohne jegliche
Zurückhaltung. Die Welt bietet den Menschen heute viele moderne
Bequemlichkeiten. Zweifellos haben sie sein Leben leicht und komfortabel
gemacht, doch gleichzeitig führen ihn diese selben Dinge auf den unheiligen und
sündigen Weg. Ihr wisst, dass der Besitz eines Handys bei den modernen
Jugendlichen zu einer Sucht geworden ist. Selbst die Regierung unterstützt die
Nutzung der Mobiltelefone, weil man sie als die bequemste Art der Kommunikation
betrachtet. Aber niemand macht sich Gedanken darüber, welche negative Wirkung
Handys auf die Studenten ausüben. Wenn man einmal ein Handy hat, kann man mit
jedem, alles, überall und zu jeder Zeit reden. Wenn man Jugendlichen diese
Freiheit gibt, werden sie diese zwangläufig missbrauchen und ihr Leben
ruinieren. Selbst unschuldige Jugendliche werden durch den Gebrauch von
Mobiltelefonen auf den falschen Weg gelockt. Wenn ihr die Studenten nicht auf
den richtigen Weg bringt und ihnen keine Tugenden vermittelt, werden diese Geräte
und bequemen Möglichkeiten ganz gewiss ihr Denken und Fühlen (minds)
verderben. Sie werden schwerwiegende Fehler begehen. Sie werden lange Zeit
brauchen, um ihre Fehler zu berichtigen und auf den Weg zu Gott zu gelangen.
Die
modernen Studenten sind höchst intelligent. Ihre Intelligenz sollte richtig
kanalisiert werden. Man sollte sie darauf hinweisen, was für sie wichtig ist im
Leben. Das ist die Art von Ausbildung, die wir ihnen geben müssen. Aber unter
dem Einfluss der westlichen Kultur vermittelt man den Studenten eine Ausbildung,
die keine Bedeutung für ihr Leben hat. Beeinflusst durch die westliche Kultur
entwickeln sie grenzenlose Wünsche, unnötige Beziehungen und sie überschreiten
die Grenzen des Anstands. Die indische Kultur ist höchst heilig und edel. Sie
hat dem Rest der Welt nachahmenswerte Ideale gezeigt. Unglücklicherweise haben
die Inder ihre eigene Kultur vergessen. Sie sind Sklaven der
westlichen Kultur geworden. Die Unterschiede, die im Verhalten von Männern und
Frauen untereinander eingehalten werden sollten, sind völlig in Vergessenheit
geraten. Die Geschichte Indiens
ist voll von Beispielen von Frauen, die große Vorbilder waren. Seit uralten
Zeiten war die Kultur Indiens das Leuchtfeuer, das den Menschen der Welt den Weg
zur Erlösung wies. Aber heutzutage sind sich selbst die politischen Führer
unserer ruhmreichen Kultur nicht mehr bewusst. Indien ist der Geburtsort von Männern
und Frauen mit großen Tugenden, die große Opfer gebracht haben, um diese
uralte Kultur zu erhalten. Dieses ist das Land, das der fromme, edle und
gerechte König Harishcandra regierte, der die Wahrheit als seinen Lebensatem
betrachtete. Dieses ist das Land, in dem Sītā geboren wurde, die ihre Keuschheit dadurch unter
Beweis stellte, dass sie unversehrt aus dem lodernden Feuer trat. Die heutigen
Menschen haben die Ideale vergessen, die durch tugendhafte Frauen wie Draupadī, Sāvitrī und Damayantī
verkörpert wurden, die bewiesen haben, dass Frauen in keiner Weise den Männern
in Bezug auf Mut, Entschlossenheit und Kraft nachstehen. Deshalb sollte man nie
auf Frauen herabsehen. Sie sind mit unendlicher göttlicher Kraft ausgestattet.
Geduld
ist die wirkliche Schönheit in diesem heiligen Land Indien (Bhārat).
Das nektargleiche Gefühl in diesem Land
ist das Gefühl der Liebe gegenüber der eigenen Mutter.
(Gedicht
in Telugu)
Es
gibt in dieser Welt keine größere Liebe als die Mutterliebe. Sie besitzt
unermessliche Kraft. Aber ein solch heiliges Prinzip der Mutterliebe wird heute
vernachlässigt. Mütter werden wie Dienstboten behandelt. Wenn die Eltern alt
werden, sollten sie mit Liebe und Sorgfalt umsorgt werden. Stattdessen schickt
man sie in Altersheime. Jemand, der seine Eltern schlecht behandelt, wird
zwangsläufig ein ähnliches Schicksal durch seine Kinder erleiden. Ihr werdet
zu dem wie ihr fühlt und denkt.
Welche Handlungen auch immer ihr ausführt, sie werden als Reaktion, als
Widerspiegelung und Widerhall zu euch zurückkehren. Liebt eure Mutter. Dann
werden euch alle lieben. Wie der Same ist, so wird die Pflanze sein. Deshalb
entwickelt zuallererst heilige und selbstlose Liebe. Wenn die Menschen ihre
Liebe miteinander teilen, wird die ganze Welt von Liebe erfüllt sein. Aber verfärbt
eure Liebe nicht durch Selbstsucht und Eigennutz.
Außer
der Wahrheit ist alles auf dieser Welt der Veränderung unterworfen. Niemand auf
dieser Welt kann die Wahrheit verändern. Menschlichkeit wird durch das
Doppelprinzip von Liebe und Wahrheit erhalten. Beide sind wichtig für das
Gedeihen der Menschlichkeit. Die Menschen müssen die Augen öffnen und diese
Tatsache erkennen. Aber heute sind sie engherzig geworden. Sie sollten Großherzigkeit
entwickeln und sich um das Wohlergehen der Gesellschaft und das der gesamten
Nation bemühen. Glühlampen mögen sich in der Größe und Form unterscheiden,
doch der elektrische Strom, der hindurchfließt, ist ein und derselbe. Die
physischen Körper sind die Glühlampen und die Kraft, die Energie des ātman[2]
ist der Strom, der sie zum Leuchten bringt. Hier seht ihr eine Anzahl von Glühlampen,
die diesen Raum erhellen. Wenn ihr den Hauptschalter ausknipst, verlöscht das
Licht in allen Lampen. Genauso werden alle Wesen leblos, wenn ihnen das göttliche
Prinzip entzogen wird. Diese Wahrheit wird von Lord Krishna in der Bhagavadgītā verkündet: Der ātman
in allen Lebewesen ist fürwahr in alle Ewigkeit ein Teil von mir (mamaivāmsho jīvaloke
jīvabhūtah
sanātanah). Derselbe göttliche Funke ist in allen
gegenwärtig. Wenn Gott sagt, dass ihr Teil seines Wesens seid, solltet ihr dann
nicht auch göttliche Eigenschaften entwickeln? Solltet ihr euch nicht wie göttliche
Wesen benehmen? Jeder, der auf dieser Welt geboren wird, ist ein Aspekt des Göttlichen.
Betrachtet jedes Wesen als göttlich und entbietet ihm euren Gruß. Es ist nicht
falsch, wenn ihr das tut. Wenn ihr von anderen respektiert werden wollt, dann
solltet ihr sie zuerst respektieren. Ihr solltet jeden lieben. Nur dann wird
euer Leben für andere ein strahlendes Vorbild sein, dem sie nacheifern können.
Das
menschliche Leben ist höchst heilig. Das dem Menschen innewohnende
Liebesprinzip ist allumfassend. Niemand kann die Kraft der Liebe beschreiben.
Das ist unmöglich. Aber weltliche Liebe hat Grenzen. Sie nimmt im Laufe der
Zeit ab. Nehmt als Beispiel ein frisch verheiratetes Paar. In der ersten Woche
nach der Hochzeit kann der Ehemann nicht einmal einen Augenblick der Trennung
von seiner Frau ertragen. Wenn der Mann zufällig einen Dorn auf dem Weg
bemerkt, zieht er sie sofort ganz besorgt zur Seite aus Furcht, der Dorn könne
ihr in den Fuß stechen. Einen Monat nach der Hochzeit warnt er seine Frau nur
noch, wenn er einen Dorn bemerkt. Sechs Monate nach der Hochzeit schreit er
seine Frau in einer ähnlichen Situation an: „Hast du keine Augen? Kannst du
den Dorn nicht sehen?“ Weltliche Liebe verändert sich auf diese Weise.
Aufgrund des Einflusses der modernen Zeit ist die Lage inzwischen so, dass
Ehepaare sich sogar scheiden lassen. In den alten Zeiten jedoch waren die
Menschen nicht so wankelmütig. Ihre Liebe zueinander war beständig vom Anfang
bis zum Ende.
Gleichbleibende
und unveränderliche Liebe ist wahre göttliche Liebe (ātma prema). Weltliche Liebe ist nur körperliche
Liebe (deha prema). Sie ist behaftet mit Wünschen und Bindung an den Körper.
Mit Wünschen verbundene Liebe ist wie eine vorüberziehende Wolke. Nur göttliche
Liebe ist ewig. Warum gebt ihr eine solche ewige Liebe auf und verlangt nach körperlicher
und vorübergehender Liebe? Nicht einmal die Älteren und die Eltern sind in der
Lage, die Kinder auf den rechten Weg zu führen. Tatsächlich unterliegen die Älteren
dem Einfluss der modernen Zeit noch mehr als die Jugendlichen. Die Älteren können
keine Vorbilder für die Jugend sein und die Jugend strebt nicht nach
Transformation. Die Veden lehren: Verehre deine Mutter als Gott, verehre deinen
Vater als Gott (mātridevo
bhava, pitridevo bhava); verehre deinen Lehrer wie Gott, verehre deinen Gast wie
Gott (ācāryadevo bhava, atithidevo bhava). Aber heute finden
wir bei den Kindern keinen solchen Respekt und keine Liebe für ihre Eltern. Auf
diese Weise verlieren sie sogar ihre Menschlichkeit. Der Mensch ist ausgestattet
mit einem reinen Intellekt und einem Unterscheidungsvermögen. Jemand, der von
seinem Intellekt richtigen Gebrauch macht, ist ein wahrer Mensch. Es ist ein
Zeichen von Dummheit, wenn man sich im Namen der Modernität vom Zeitgeist
davontragen lässt.
Nur
wenn es Transformation auf der Ebene des Einzelnen gibt, dann kann es auch Veränderung
auf nationaler Ebene geben. Der Fortschritt einer Nation beruht auf dem
Charakter ihrer Männer und Frauen. Aber heutzutage haben die Inder ihre
Menschlichkeit vergessen und versuchen die westliche Kultur zu imitieren. Das
ist nicht richtig. Ihr habt eure eigene Kultur und sie haben die ihre. Imitiert
nicht die Kultur anderer. Haltet fest an eurer Kultur und euren Traditionen. Ändert
eure Kultur nicht nach Lust und Laune.
Verkörperungen
des göttlichen ātman!
Verkörperungen der Liebe!
Liebe
ist die wahre menschliche Eigenschaft. Betrachtet Liebe als euren eigentlichen
Lebensatem. Jemand ohne Liebe ist nicht besser als jemand ohne Leben. Seht die
Liebe als Grundlage eures Lebens und folgt dem Weg der Wahrheit. Dann werdet ihr
nicht nur Erfüllung im Leben finden, sondern ihr werdet auch Reinheit erlangen
und schließlich Göttlichkeit. Wo immer ihr seid, in welcher Situation auch
immer, weicht niemals ab vom Pfad der Liebe und der Wahrheit. Versucht nicht die
Wahrheit zu manipulieren, um eure Wünsche erfüllen zu können. Wenn ihr sagt:
„Ich will dieses haben“, bringt ihr damit eure zwanghaften Wünsche zum
Ausdruck. Ihr werdet im Leben zufrieden sein, wenn ihr annehmt, was immer die
Natur euch bietet. Wenn ihr andererseits zur Erfüllung eurer Wünsche die
Naturgesetze übertretet, werdet ihr euch ruinieren. Lasst eure Vorlieben und
Abneigungen beiseite.
Ihr
seid aus dem Leib eurer Mutter geboren worden. Deshalb solltet ihr euch ihr
gegenüber dankbar erweisen und ihr Ehre machen. In einem Dorf in der Nähe der
Stadt Kolkata lebte ein edler Mensch namens Ishvar Chandra Vidyāsagar mit seiner Mutter. Sie waren sehr arm. Für
ein mageres Einkommen verrichtete seine Mutter Gelegenheitsarbeiten. Sie hatten
nicht einmal etwas Richtiges zu essen. Sie backte ein Brot, gab ihrem Sohn die
eine Hälfte und sie aß dann die andere Hälfte. Manchmal hungerte sie, damit
sie ihrem Sohn das gesamte wenige Essen geben konnte. Vidyāsagar lernte abends unter der Straßenlaterne, da
sie es sich nicht einmal leisten konnten, eine Lampe im Haus zu haben. Tag und
Nacht arbeitete er hart und er bestand alle seine Prüfungen. Am Anfang fand er
eine bescheidene Stellung und sein Gehalt reichte aus, damit sie beide ein
angenehmes Leben führen konnten. Eines Tages wollte seine Mutter auf ein
Volksfest. Vidyāsagar
tat es leid, sie in einem alten Sari zu sehen. Er sagte zu ihr: „Mutter, da
heute ein Festtag ist, tragen alle Leute neue Kleider. Warum trägst du nicht
auch einen neuen Sari?“ Er ging in einen Basar, kaufte ihr einen weißen Sari
und bat seine Mutter, diesen anzuziehen. Aber sie sagte zu ihm: „Sohn! Ich
habe drei Wünsche. Ich werde diesen neuen Sari erst tragen, wenn sie erfüllt
worden sind.“
Nach
und nach wurde Vidyāsagar
befördert und auch sein Gehalt wurde größer. Eines Tages wandte er sich an
seine Mutter und bat sie, ihm ihre Wünsche mitzuteilen. Sie sagte: „Sohn, die
Kinder aus unserem Dorf müssen die Schule im Nachbardorf besuchen. Mich
schmerzt es, wenn ich sehe, dass Kinder mit einer schweren Last von Büchern
einen so weiten Weg laufen müssen. Bitte, baue eine kleine Schule in unserem
Dorf.“ Also errichtete Vidyāsagar
eine Schule im Dorf. Er fragte sie: „Mutter, bist du jetzt glücklich?“
Sie antwortete: „Sohn, ich habe noch zwei Wünsche. Es tut mir weh,
wenn ich sehe, wie die Frauen unseres Dorfes weite Entfernungen zurücklegen müssen,
um Wasser zu holen. Ich würde mich freuen, wenn du in unserem Dorf einen
Brunnen graben lassen könntest.“ Vidyāsagar ließ sofort einen Brunnen graben und erfüllte
den Wunsch seiner Mutter. Nach einiger Zeit sagte sie zu ihm: „Sohn, du hast
das Dorf mit Wasser versorgt und auch für die Kinder eine Schule gebaut. Aber
das Fehlen medizinischer Versorgung in unserem Dorf macht mir Sorgen. Bitte baue
ein kleines Krankenhaus hier.“ Gemäß ihrem Wunsch errichtete er ein kleines
Krankenhaus. Sie war höchst zufrieden. Da erst trug sie den neuen weißen Sari,
den ihr Sohn für sie gekauft hatte.
Allmählich
wurde Vidyāsagars
Name weit und breit berühmt. Die Menschen versammelten sich zu Tausenden, um
seinen Reden zu lauschen. (Hier erzählte Bhagavān
den Vorfall, bei dem Vidyāsagar
selbst den Koffer eines I.C.S. Offiziers zum Ort seines Vortrages trug und
diesem so eine Lektion in Selbstsicherheit und Bescheidenheit erteilte).
Vidyāsagar erfüllte alle drei Wünsche seiner Mutter.
Sathya Sai erfüllte auch die Wünsche seiner Mutter (lauter Beifall). Eines
Tages traf ich Easwaramma in sehr nachdenklicher Stimmung an und fragte sie nach
dem Grund. Sie sagte: „Swami, mir tut es leid, dass kleine Kinder aus unserem
Dorf den ganzen Weg nach Bukkapatnam zur Schule laufen müssen. Bitte baue eine
kleine Schule für unser Dorf.“ Ich erfüllte ihren Wunsch und errichtete eine
kleine Schule in Puttaparthi. Nach einiger Zeit sagte sie: „Swami, die Leute
in unserem Dorf sind sehr arm. Sie können die Kosten für die Ärzte in
Bukkapatnam, zu denen sie bei jeder kleinen Unpässlichkeit gehen müssen, nicht
bezahlen. Deshalb baue bitte ein kleines Krankenhaus für unser Dorf.“ So ließ
ich ein kleines Krankenhaus bauen. Ihr dritter Wunsch war Trinkwasser für das
Dorf. Sie wies darauf hin, dass es für die Frauen größte Mühe bedeutete,
Wasser aus dem fast ausgetrockneten Fluss Citrāvatī zu holen. Um ihren Wunsch zu erfüllen, versorgte
ich nicht nur Puttaparthi sondern auch die umliegenden Dörfer mit Trinkwasser.
Die kleine Schule, die ich errichtete, ist nun eine große Universität. Das
kleine Krankenhaus, das ich baute, ist ein Super-Spezial-Krankenhaus geworden.
Mutter
Easwaramma vergoss Freudentränen, als sie sah, dass ihre Wünsche in solch großartiger
Weise erfüllt worden waren. Sie führte ein Leben in Glück und Zufriedenheit
und ihr Leben endete in Frieden. Es ist die wichtigste Pflicht der Kinder, die Wünsche
ihrer Mutter zu erfüllen und sie glücklich zu machen. Dient anderen soweit das
möglich ist. Ihr müsst keinen Dienst tun, der eure Mittel und eure Kraft übersteigt.
Wenn ihr merkt, dass eure Nachbarn leiden, gebt ihnen Trost. Helft ihnen soviel
ihr könnt und macht sie glücklich. Ich erwarte, dass ihr das heute lernt. Aus
Anlass des Easwaramma-Tages fordere ich euch alle auf, diese drei Prinzipien des
Dienens, des Erfahrens von Glückseligkeit und des Teilens derselben mit allen
in die Tat umzusetzen.
Bhagavān
beendete seine Rede mit dem Bhajan: „Hari bhajana binā
sukha shānti nahim...“
Aus Bhagavāns Ansprache
aus Anlass des Easwaramma-Tages in der Sai Ramesh Krishan-Halle, Brindāvan (Whitefield) Bangalore, am 6. Mai 2006.
Alle
Sanskrit erläuternden ‚Anm.d.Ü.’ = Prof. Dr. phil. Martin Mittwede und
sein Buch SANSKRIT/DEUTSCH von 1999
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© Sathya Sai Vereinigung e.V. Deutschland
[1] Innerhalb der göttlichen Trinität ist Brahmā der Schöpfergott – Anm.d.Ü.
[2] der ātman = die unsichtbare Grundlage, das wirkliche Selbst, die dem Menschen innewohnende Göttlichkeit; die Seele, welche die Wirklichkeit innerhalb der fünf Schichten (kosha) darstellt, deren äußerste der physische Körper ist; der göttliche Funke im Inneren. - Anm.d.Ü.