| Sathya Sai's Amrita Varshini (Nectarine
Showers) von Sudha Aditya
Kapitel 4: Die
dunkle Periode
S.:
Es gibt Zeiten in meinem Leben, in denen ich fühle, daß ich
herabgesunken bin und in diesen Zeiten bin ich nicht fähig, mein
gewohntes Sadhana (spirituelle Praxis) und Dhyana (Meditation) weiterzuführen.
Warum passiert das, Baba ?
Sai:
Jeder Sadhaka (Gottsucher) geht durch diese Phasen, die sogenannten
"dunklen Perioden". In dieser Zeit gehen Veränderungen in
deinem Innern vor, deren du dir nicht bewußt bist.
Es ist eine Zeit der Reifung und an ihrem Ende tauchst du als eine stärkere
und bessere Person aus ihr hervor.
Es ist so, wie einen Weihnachtskuchen zu backen. Du mixt alle Zutaten,
backst sie und dann stellst du den Kuchen für einige Tage beiseite und
erlaubst ihm zu reifen und sich zu setzen. Danach schmeckt er reicher
und süßer.
Oder nimm z. B. einen Winzer. Er produziert von den Trauben den Sirup
und lagert ihn für Monate. Während dieser Zeit fermentiert und
sprudelt er und wird zu süßem Wein.
Im Falle des Sadhana ist das das Gleiche. Du gehst nur durch einen Prozeß
der Reifung. Deshalb glaube nicht, daß du in irgendeiner Weise
herabgesunken bist.
S.:
Was genau ist dieser Prozeß des Reifens, Baba ? Was bedeutet er ?
Sai:
Während deines Sadhana hast du verschiedene Erfahrungen zu machen und
lernst viele Dinge. All diese Fakten müssen vom inneren Geist
aufgenommen, analysiert und in Wissen und Weisheit umgewandelt werden.
Manchmal geschieht dies bewußt durch den Prozeß des Erkundens und des
Unterscheidens. Doch zu anderen Zeiten geschieht diese Umsetzung von
Erfahrung in Weisheit, ohne daß es dir bewußt wird; also in der
Dunkelheit und deshalb die "dunkle Periode".
Z. B.: Was passiert nachdem du eine Mahlzeit zu dir genommen hast ?
Das Essen muß vom Körpersystem aufgenommen, verdaut und absorbiert
werden. Du kannst den Prozeß der Verdauung und Aufnahme nicht sehen und
doch gehen diese Vorgänge im Körper vor. Es ist das Gleiche im Falle
der spirituellen Nahrung. Du liest religiöse Bücher, hörst Bhajans
(Lieder zum Lobe Gottes) und Vorträge, nimmst am Satsang (spirituelles
Treffen) teil, praktizierst Sadhana und Meditation. All dies ist Nahrung
für den Inneren Geist (Spirit).
Die spirituelle Nahrung muß vom inneren Selbst aufgenommen, verdaut und
angeeignet werden. Das Endresultat dieses Prozesses ist spirituelles,
mentales und emotionales Wachstum und Reife.
S.:
Baba, ist es aufgrund dieser Veränderungen, daß wir manchmal in
spiritueller Trägheit gefangen sind ?
Sai:
Ja. Dieser Reifungsprozeß ist eine Periode der Verwirrung für den
Sadhaka. Du fühlst dich verwirrt, befremdet, verloren; wie ein führerloses
Boot umhergeschleudert in der Dunkelheit, verzweifelt bemüht, den
erleuchteten Strand zu erreichen.
S.: Baba, in solchen Zeiten fühle ich nicht die gleiche Nähe zu Dir wie
sonst.
Sai:
Ja, ich weiß. Du fühlst dich Wind und Wellen preisgegeben. Du
empfindest keinerlei spirituelles Wohlgefühl. Aber dies ist nur eine
vorübergehende Phase, an deren Ende das innere Selbst reiner, stärker
und edler hervortritt.
Z. B.: Wenn du krank bist, fühlst du dich körperlich nicht wohl. Der
Arzt behandelt deine Krankheit, indem er dir Medikamente gibt. Du selbst
kannst den Heilungsprozeß, der durch die Medikamente hervorgerufen
wird, nicht sehen. Doch die Heilung findet in deinem Innern statt. Ist
die Behandlung beendet, erlangt der Körper wieder seine normale
Gesundheit und sein Wohlbefinden. Vergleichbar, wenn spirituelle Veränderungen
und Transformationen im Innern stattfinden, wirst du von einem Gefühl
der mentalen und spirituellen Müdigkeit überkommen.
Doch wenn der Reifungsprozeß beendet ist, hebt sich die Dunkelheit, die
Dämmerung bricht herein und du trittst heraus ins Licht. Eine stärkere
und weisere Person.
S.:
Du bist der Sadguru, Baba. Bestimmst und kontrollierst du die
spirituellen Veränderungen in uns ?
Sai:
Ja, ich überwache dein spirituelles Wachstum und reguliere deine
Fortschritte. Ich kenne deine Vergangenheit und den Grad deiner
spirituellen Entwicklung, die du in vergangenen Leben erreicht hast.
Basierend auf deiner vergangenen Entwicklung, helfe ich dir in deinem
gegenwärtigen Sadhana und führe und kontrolliere dein spirituelles
Wachstum.
Ich weiß, wie weit du dich zuvor entwickelt hast und wieviel du dich
nun entwickeln mußt.
Es ist, als würdest du Süßigkeiten herstellen. Der Koch weiß, zu
welchem Zeitpunkt der Zuckersirup die richtige Konsistenz hat, wann Mehl
dazugegeben werden muß, wann Ghee und die Gewürze, wieviel hinzugefügt
wird und wann genau die Süßigkeiten vom Kochfeuer genommen werden müssen.
Vergleichbar damit mische ich, füge hinzu und rühre um, bis du einen
bestimmten Grad an spirituellem Bewußtsein erlangt hast.
S.:
Wie oft treten diese Phasen der Reifung im Leben eines Sadhaka auf ?
Sai:
Das hängt davon ab, welche spirituelle Höhe der Sadhaka erreicht hat.
Wie das Wachstum des physischen Körpers, muß auch das spirituelle
Wachstum sehr langsam und allmählich vonstatten gehen. Das Wachstum ist
über viele Geburten hinweg ausgedehnt. Doch wenn du eine einzige Geburt
nimmst, werden darin viele Phasen, viele dunkle Perioden vorkommen. Ein
aufrichtiger Sadhaka hat notwendigerweise durch einige Perioden des
inneren Wachstums zu gehen. Die Häufigkeit, in denen diese Perioden
auftreten, hängt von der spirituellen Durchdrungenheit dieses Menschen
ab; genauso wie das Lernen vom I.Q. abhängt. Manche Menschen sind
schneller aufnahmefähig als andere.
Doch auch jene, welche auf einer hochentwickelten Ebene verweilen, gehen
zu bestimmten Zeitpunkten in ihrem Leben durch diese Phasen. Auch die
alten Rishi's (Heilige) und Yogi's hatten sich ihnen zu unterziehen,
auch wenn niemand darüber sprach.
S.:
Wann ungefähr im Leben eines Sadhaka treten diese Phasen auf, Baba ?
Sai:
Normalerweise nicht zu Beginn eines Lebens. Die frühen Stadien auf dem
Weg eines Sadhaka's sind von Erfahrungen, Aufregungen und Ekstasen geprägt.
Erst nach einiger Zeit beginnt das innere Selbst sich zu entwickeln. Die
Veränderungen treten ungefähr nach der Hälfte des Weges auf. Dann
beginnt der wirkliche Prozeß des Lernens.
Stelle dir die Fortschritte des Sadhaka wie das Besteigen eines Berges
vor. Begeistert kletterst du ein kleines Stück in die Höhe. Dann bist
du müde und wenn du einen Felsenvorsprung oder ein schmales Plateau
erreicht hast, hältst du an und rastest. Nach einiger Zeit, wenn du
wieder zu Atem gekommen bist, deine Stärke wiedergewonnen hast, bist du
bereit, das Klettern fortzusetzen. Auf diese Weise kletterst du, ruhst
aus, bis du den Gipfel des Berges erreicht hast. Die Zeiten der Reifung
im Leben des Sadhaka sind vergleichbar mit den Plateaus.
Wenn die Dunkelheit sich hebt und Licht hervorbricht, wirst du
wieder-belebt und gestärkt hervortreten, bereit zu höheren Ebenen
aufzubrechen. Deshalb sei nicht entmutigt oder niedergeschlagen, wenn du
in dieser Phase gefangen bist. Es ist die Zeit des Formens, Schleifens
und Gestaltannehmens. Es ist die Zeit, in der wirkliche Fortschritte und
Entwicklungen im Innern stattfinden.
S.:
Baba, was rätst Du ins während solcher Zeiten zu tun ?
Sai:
Es ist die Zeit für Karma und Seva. Dies führt zu "Trikarana
Suddhi" - der Reinigung der drei Instrumente: Hände, Zunge und
Gedanken (Mind).
Wenn du mit Karma und Seva beschäftigt bist, werden Hände und die
Zunge beansprucht, bleiben geschäftig und haben keine Möglichkeit,
Lastern nachzugeben. Wenn diese beiden gereinigt sind, werden auch die
Gedanken rein und kühl wie der Mond. So kannst du äußere Reinigung
mit der Reinigung verbinden, die in deinem Innern stattfindet.
S.:
Wird uns dies helfen, schneller aus der "dunklen Periode" zu
gelangen ?
Sai:
Ja, wenn du diese Phase als das erkennst, was sie ist. Du kannst helfen,
die innere Entwicklung zu beschleunigen, indem du die richtigen äußeren
Übungen anwendest. Wenn du fähig bist, beides zu kombinieren, kannst
du das spirituelle Wachstum unterstützen.
| Ist die Periode
der inneren Entwicklung vorbei, wird dein inneres Selbst mit
neuer Energie, Kraft und Vitalität hervortreten. Bereit, sich
mit neuem Sadhana zu beschäftigen und auf höhere Ebenen der
Erfahrung und des Lernens zu gelangen. |
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